Buchbesprechung
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"Wohl
dem, der seiner Väter gern gedenkt, Mit diesem Zitat von Goethe - dem Vorwort dieses Buches vorangestellt - wird bereits die Grundhaltung angezeigt, die sich beim Lesen wie ein roter Faden durch das vorliegende Buch einstellt. |
In seinem Vorwort
äußert der Autor die Befürchtung, daß sich durch die
natürliche Abberufung der noch lebenden Zeitzeugen nach wenigen Jahren
der Mantel des Schweigens über die Vertreibung ausbreiten könnte.
Die Befassung mit der Geschichte helfe aber, die durch die Vertreibung verloren
gegangene Identität wieder zu finden.
Sein Buch könne für die Älteren die Erinnerung wachhalten und
für die Jüngeren Anlaß zur Besinnung auf ihre Herkunft und
ihr Erbe sein, das sie in ein von geistiger Verwirrung geläutertes Europa
einzubringen hätten.
Franz Lang widmet sein Buch den Gefallenen der beiden Weltkriege und den Opfern
des 2. Mai 1945 die auch im Buch abgebildet werden.
Grußworte entrichten der ehemalige Heimatkreisbetreuer Rudolf Kiefner,
der Erste Bürgermeister der Stadt Furth i. Wald, Reinhold Macho und der
Bürgermeister von Ortenberg (Hessen) Wilfried Schulz.
Dramaturgisch
gelungen, beginnt der erste Teil des Buches mit dem Kapitel "Tage
der Entscheidung im Jahre 1945" mit Erlebnisberichten und Zeugenaussagen,
die folgendes Bild ergeben:
Der 2. Mai 1945 spielte in der Geschichte von Linz eine bedeutende Rolle.
Nur durch den Linzer Bach getrennt, lebten die 300 Linzer an dieser Sprachgrenze
Jahrzehnte lang in unmittelbarer Nachbarschaft mit den etwa 1000 Possigkauern,
teilten mit ihnen dieselbe Pfarreikirche, denselben Pfarrer, holten sich ihre
Bräute aus dem jeweils anderen Dorf und waren auch sonst eher freundschaftlich
verbunden.
Am 2. Mai 1945 jedoch war alles anders. Als sich die Nachricht vom Ergeben
der deutschen Truppen in Berlin und dem Vormarsch der amerikanischen Truppen
über Furth i. Wald und Klentsch Richtung Pilsen verbreitete, versuchten
die Tschechen - sich nun ebenfalls als Sieger des Krieges empfindend - aufgeputscht
von fanatisierten Nationalisten im Radio und in den tschechischen Dörfern,
begleitet von rachelüsternen freigelassenen russischen Kriegsgefangenen,
ihren Übermut an den wehrlosen Deutschen in unmittelbarer Nachbarschaft
zu kühlen. Mit Knüppeln und Gewehren bewaffnet, teilweise in Chodentracht
gekleidet, gefolgt von der Possigkauer Musikkapelle, zogen sie in Linz von
Haus zu Haus, warfen Fensterscheiben ein, brachen verschlossene Türen
auf und zwangen die Bewohner zum Mitmarschieren. Wer sich weigerte wurde blutig
geschlagen und zum Verhör nach Possigkau an den Haaren mitgeschleift,
gefoltert und gelyncht. Am schlimmsten wüteten diejenigen Tschechen,
die währen des Dritten Reiches mit den Deutschen zusammengearbeitet hatten
und nun befürchten mußten, daß Unangenehmes ans Tageslicht
kommen könnte. Viele der tschechischen Arbeiter, sozialdemokratischer
und kommunistischer Coleur, die noch wenige Jahre vorher mit ihren deutschen
Genossen am 1. Mai in Pilsen unter dem Transparent "Tschechisch-Deutsche
Freundschaft" demonstrierten oder in Bayern oft auf der gleichen Baustelle
gemeinsam arbeiteten, hatten nun keine Hemmungen, diese Schicksalsgenossen
totzuschlagen, sie ihres Besitzes zu berauben oder sie in die Zwangsarbeit
zu verschleppen. Das Ergebnis dieser tschechischen "Heldentaten"
des 2. Mai 1945 waren fünf unschuldige ermordete Deutsche, an unbekanntem
Ort verscharrt.
Unter die Haut gehende Berichte von Augenzeugen aus Linz, Parisau und Wottawa
berichten weiter vom bestialischen Wüten enthemmter Tschechen auch noch
Tage nach dem 2. Mai. Als am 4. Mai eine sechsköpfige Clique blutrünstiger
tschechischer Partisanen, die zuvor von amerikanischen Soldaten mit Waffen
ausgestattet worden war, auf dem Weg nach Wottawa von deutschen Soldaten liquidiert
wurde, feierte die tschechische Bevölkerung und die tschechische Presse
sie wie Märtyrer.
Viele Linzer verließen in diesen Tagen heimlich bei Nacht und Nebel
unter Zurücklassung von Haus und Hof ihren Heimatort und flüchteten
über die nahe Grenze nach Bayern.
Ende Juni 1946 wurden dann fast alle noch verbliebenen Deutschen aufgefordert,
sich zum Abtransport nach Taus bereit zu machen. Das war das Ende des deutschen
Dorfes Linz.
In einem Kapitel
"Aus der Geschichte Böhmens", reich bebildert mit Karten,
Stichen und wichtigen Fotos wird kenntnisreich ein großer Bogen gezeichnet
von der Frühzeit der Besiedlung Böhmens, der Epoche der Premysliden,
der Regentschaft deutscher Fürstenhäuser bis zum Ausbruch des Hussitenkrieges,
von der Schlacht bei Taus bis zur Schlacht am Weißen Berg, vom Ende
der Selbständigkeit Böhmens bis zum Ende der Donaumonarchie, von
der Staatsgründung bis zum Anschluß an das Deutsche Reich nach
dem Münchner Abkommen.
Eingebettet in dieses große Kapitel werden - ebenfalls belegt durch
Zeitzeugen - lokale Ereignisse beleuchtet wie die tschechische Minderheitenschule
in Linz als Ausdruck der nationalen Gegensätze und die Folgen des Anschlusses
aus tschechischer Sicht.
Im Kapitel "Aus der Geschichte der Herrschaft Ronsperg und Stockau" wird die Lage von Linz an der Grenze dieser beiden Herrschaftsbereiche kurz aber überschaubar beschrieben.
Einen weiteren wichtigen Abschnitt stellt "Aus der Geschichte von Linz" dar. In ihm wird Lage und Landschaft, der Linzer Bach mit dem idyllischen Elisienthal, die Besiedlung des Ortes, die Herkunft des Ortsnamens und der Familien- und Flurnamen ausführlich beschrieben. Behandelt werden Statistik und Ortsverwaltung, das Geldwesen und die Preise, Maße und Gewichte in verschiedenen Zeitabschnitten. Belegt durch detaillierte Angaben aus Steuerrollen, Visitations- und Herrschaftsverzeichnissen und Katastertabellen werden die Eigentumsverhältnisse und die Landwirtschaft in Linz beschrieben. Erwähnung findet die Deutsche Volksschule in Linz mit zahlreichen Fotos von Schulklassen. Die dort Abgebildeten werden alle namentlich benannt.
Ein überaus wichtiges Kapitel ist der spannenden und interessanten "Geschichte der Linzer Mühlen" gewidmet. Linz war ein ausgesprochenes Mühlendorf. Von den ursprünglich fünf Mühlen waren zum Zeitpunkt des Anschlusses an das Deutsche Reich noch vier in Betrieb. Erklärt werden mittelalterliches Mühlenrecht, Mühlenordnungen, Herrschaftsmühlen, Mahlzwang, der Bau der ersten Linzer Mühle und eingehend auch die Geschichte der anderen Linzer Mühlen, alles reich bebildert mit technischen Zeichnungen Zeichnungen und Darstellungen aus früheren Tagen und dem Verfall der heutigen Zeit.
Der Mundart, dem Alltagsleben, sowie dem kirchlichen Leben sind heitere und besinnliche Abschnitte gewidmet. Ein weiterer Abschnitt befaßt sich mit den Uniformen im Wandel der Zeit und der Musterung während der CSR-Zeit. Vorgestellt werden - aufgelockert durch mundartliche Gedichte - Jungenderinnerungen, heitere Begebenheiten und Linzer Originale.
Das sicher bedeutendste
Kapitel befaßt sich jedoch mit der "Haus- und Familienchronik".
Dies ist umso wichtiger, als es für Linz, das vor 1784 zur Pfarrei Schüttwa
gehörig, danach zur Pfarrei Klentsch kam, keine Kirchenbücher mehr
gibt. Sie fielen einem Bombeneinschlag in das Pfarrhaus am Ende des Zweiten
Weltkrieges zum Opfer.
In diesem Abschnitt wird auch die Numerierung des Ortes und die Herkunft der
Haus- und Hofnamen beschrieben. Basierend auf den Angaben des Grundbuches
und diverser Kontraktenbücher wird Hof für Hof und Haus für
Haus beschrieben. Viele genaue Angaben fehlen leider in diesem Kapitel dann,
wenn sich das Datenmaterial nicht auf Angaben aus den jeweiligen Familien
heraus stützen kann und nur auf die spärlichen genealogischen Angaben
in den Grundbüchern beschränken muß.
Angereichert ist das gleichwohl hochinteressante Kapitel mit Bildern der Anwesen,
entweder aus der Zeit vor oder nach der Vertreibung, mit Bildern der jeweiligen
Eigentümer oder Bewohner, Kopien von Besitzbögen, Notariatsakten,
Übergabeverträgen, Lehrbriefen oder Todtenscheinen, vor allem aber
mit vielen übersichtlich gezeichneten Stammtafeln,
in denen die Abstammung der männlichen und der weiblichen Linie mit Geburts-
und Traudaten, oft aber auch die Kinder und Enkel der letzten Bewohner festgehalten
ist. Für den Familien-forscher ist dieses Kapitel eine wahre Fundgrube
und unersetzliches Grundlagenwerk.
Abgeschlossen
wird das Buch mit einer Tabelle "Die Verstorbenen nach der Vertreibung
1945/46", dem Inhalts- und Quellenverzeichnis und dem Notenblatt
des Liedes "Tief drin im Böhmerwald". Die erste Doppelseite
zeigt eine Karte des Sudetenlandes in den Grenzen von Böhmen und eine
topografische Karte von Linz und seiner Umgebung, die letzte Doppelseite die
Übersichtskarte des Kreises Bischofteinitz. Das Buch hat Querformat und
umfasst 312 Seiten.
Obwohl schon fast zwanzig Jahre vergangen sind, seit dieses Buch erschienen
ist und der Autor nicht mehr unter uns weilt, ist es so aktuell wie nie zuvor.
Es informiert den an der Geschichte interessierten genauso fundiert wie es
den Nachfahren der aus diesem Dorf stammenden deutschen Familien wichtige
Hilfestellung bietet bei der Erforschung der Vorfahren und der Familiengeschichte.
Alfred Piwonka, Furth im Wald, April 2005
Das Buch kann über den Heimatkreis Bischofteinitz zum Preis von €
20,00 bezogen werden.
Bestellungen sind zu richten an:
Peter Pawlik
Palnkamerstr. 73a
83624 Otterfing
Tel: 08024/92646
eMail: Peter-Pawlik@t-online.de
© Heimatkreis Bischofteinitz e.V., Heimatkreisbetreuer Peter Pawlik, Palnkamerstr. 73a, 83624 Otterfing, Tel. 0 80 24 / 9 26 46, Fax 0 80 24 / 9 26 48, E-Mail: Peter-Pawlik@t-online.de
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