Altgramatin
Das knapp 2 km westsüdwestlich von
Hostau und 1 km nördlich von Muttersdorf befindliche Dorf Altgramatin liegt
in einer sehr flachen Mulde am Fuß des Haselberges, im Norden vom Gibahorka
und im Osten vom Weinberg begrenzt und dürfte zweifelsohne seinen Namen
von Kramolin herleiten.
Wir finden den Ort erstmals 1379 erwähnt.
Leider war nicht festzustellen, ob Altgramatin oder Neugramatin mit dieser
Nennung einwandfrei identisch ist, da in diesem Jahr der Ritter Racek oder
Radsko als Besitzer von Hostau und der Dörfer Gramatin, Horouschen und Hassatitz
genannt wird. Da jedoch fortan das Dorf Gramatin bei der Hostauer Herrschaft
auftaucht, spricht die Annahme für Altgramatin.
1679 heißt es zum erstenmal zum "Alten"
Gramatin. Zunächst nach Hostau eingepfarrt, gelangte es 1856 zur Pfarrei
Muttersdorf, wies 1789 bereits 26 Nummern auf und zählte 1839 28 Häuser
mit 194 deutschen Einwohnern. Schon 1790 gehörte Altgramatin zur Schule
in Muttersdorf, das ja nur 1 km südlich liegt. Es war eine seltene Ausnahme,
daß nicht die Pfarrschule in Hostau besucht werden mußte. Die Bauern aus
Gramatin und Wasserau mußten zur Schule nach Muttersdorf 7 1/2 Klafter Holz
fahren.
Auffallend ist die Flureinteilung,
die seit ihrer Anlegung in 17 Streifen keine nennenswerte Abänderung erfuhr.
So besaß jeder der 17 Bauern einen schmalen, aber sehr langen Streifen Felder,
Wiesen und Wald in einem Stück. Die Bauernhöfe, nach deutscher Weise in
zwei Reihen von West nach Ost angelegt, schlossen einen breiten Platz mit
erhöhtem Fahrweg ein. Die Häusler siedelten am Ostende und hatten ihren
Grundbesitz fast ausschließlich in den Gemarkungen von Hostau und Muttersdorf.
Micko, der den Ortsnamen mit "Schotterboden"
übersetzt, fand auch heraus, daß mehrere Geschlechter sehr lange hier
ansässig waren, und zwar seit 1656 Biberschick, 1666 Kück, 1670 Weber, 1689
Geiger, 1697 Wittmann, 1707 Girg, 1727 Ebenhöh, 1721 Theis, 1747 Lilla,
1770 Muck aus Eslarn, 1755 Lehanka aus Raschnitz und 1768 Gröbner aus Wittana.
Ferner waren früher ansässig: Gampf, Zischka, Wollinger, Kneißl, Honsowitz,
Strentzl, Ziegler, Pechtl, Werner, Rob, Rohm, Krapfl, Zizmann, Karl, Murrenstein,
Kriegelstein, Lobenstein.
1746 wütete im Ort eine große Seuche,
es starben in 4 Monaten 38 Personen, darunter keine Kinder. 1797 gab es
im Ort 22 Robotpflichtige. 1813-1814 waren in Muttersdorf und Altgramatin
alle Häuser voll Franzosen einquartiert. Ein Soldat soll wegen Diebstahls
der Regimentskasse zu Tode gepeitscht worden sein und beim Bäckerbauer begraben
liegen.
1862 wies Altgramatin 31 Häuser und
213 Bewohner auf, 1910 33 Häuser, 185 Einwohner, 1939 45 Häuser und 178
Einwohner. Das Flächenausmaßbetrug 1937 378,13 ha. Davon waren 173,59 ha
Acker, 67,61 ha Wiesen, 12,52 ha Weiden, 108,92 ha Wald. Der Hebesatz stand
auf 950. Etwa 7 ha Wald war Gemeindebesitz, der übrige gehörte den Bauern.
Neben den 17 letzteren waren noch 13 Häusler ansässig.
Im Ort befanden sich 1 Gastwirt, 2
Schmiede, 4 Maurer, 1 Wagner und 1 Steinmetz.
Zur Post gehörte Altgramatin ursprünglich
nach Bischofteinitz, dann nach Klentsch, bis 1851 in Hostau ein Postamt
errichtet wurde, zu welchem es bis zuletzt gehörte.
1911 bildete sich die Ortsgruppe des
Deutschen Böhmerwaldbundes mit 27 Mitgliedern. Die Freiwillige Feuerwehr
bestand seit 1924. Gründer und erster Kommandant war Josef Girg (Nr. 1).
1929 kam eine Motorspritze hinzu. Bürgermeister war Andreas Frank.
Aus Altgramatin stammte der spätere
Professor am Stiftsgymnasium Duppau und am Realgymnasium in Karolinental
Peter Muck. Im zweiten Weltkrieg blieben 14 Mann.
© Heimatkreis Bischofteinitz e.V., Heimatkreisbetreuer Peter Pawlik, Palnkamerstr. 73a, 83624 Otterfing, Tel. 0 80 24 / 9 26 46, Fax 0 80 24 / 9 26 48, E-Mail: Peter-Pawlik@t-online.de
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