Wittana

Zwischen Schüttarschen und Sirb, dem 505 m hohen Vogelherd und der Radbusa lag an der Bezirksstraße von Bischofteinitz nach Eisendorf das 1939 24 Häuser mit 104 Seelen zählende Dörflein Wittana, 1379 erstmals erwähnt.

Vom Dorfplatz führte in südwestlicher Richtung leicht ansteigend ein Fahrweg in das etwa 2 km entfernte Dorf Sadl, ein anderer in östlicher Richtung zur Picklmühle, die etwa 1 km vom Ort entfernt war. Von der Bezirksstraße zweigte ein Fahrweg in das 1 km entfernte Zwingau ab. In der Nähe dieser Abzweigung, auf der anderen Seite der Bezirksstraße, standen auf dem leicht ansteigenden Hang zwei Linden. Zwischen diesen beiden Bäumen war auf einem steinernen Sockel das aus Eisen gefertigte Hurkara-Kreuz aufgerichtet, bei dem in früheren Zeiten die Maiandachten abgehalten wurden.

In der Mitte des Dorfplatzes war ein ausgemauerter Gemeinschaftsbrunnen, an dem drei Familien ihren Wasserbedarf deckten, die übrigen besaßen eigene Pumpbrunnen.

1789 zur Bischofteinitzer Herrschaft Trauttmansdorff gehörig, zählte es 18 Nummern, 1839 19 Häuser mit 133 deutschen Einwohnern, 1913 21 Häuser mit 129 Bewohnern, und war nach Schüttarschen eingepfarrt (Laurenziberg) und auch eingeschult. Das Flächenausmaß der Gemeinde betrug 1937 276,76 ha und verteilte sich auf 126,30 ha Äcker, 17,11 ha Wiesen, 11,71 ha Weiden, 108,80 ha Wald und 1,31 ha Gärten.

Der Großteil der Bewohner lebte von der Landwirtschaft oder vom Handwerk. Die frühere Gemeindeschmiede erwarb der Schmied Haberl. Neben der Gastwirtschaft befanden sich noch 2 Flaschenbierhandlungen im Ort. Es gab im Dorf keinen Bäcker, keinen Fleischer und keinen Kaufladen.

Die Picklmühle, ursprünglich eine Bischofteinitzer Herrschaftsmühle, gehörte früher zur Gemeinde Zwingau und hatte dort die Nr. 16. Im 18. Jahrhundert hieß sie Bruckmühle. Der Name kam von einer über die Radbusa geschlagenen Holzbrücke, welche die Meedener Bauern auf dem Weg zu ihren Wiesen benutzten. Bei einem Hochwasser wurde diese Brücke weggerissen und nicht wieder aufgebaut. Darauf wurde die Bruckmühle in Brücklmühle umbenannt, und als sie von den Pawliks über den Fuchsen Franz aus Mirschikau erworben wurde, erhielt sie den Namen Picklmühle.

Die Mühle war 1913 mit einer zeitgemäßen maschinellen Einrichtung ausgestattet worden, die 1935 teilweise erneuert wurde. Zwei installierte Lichtmaschinen (Dynamos) lieferten schon lange vor der Elektrifizierung des Ortes den Strom für die Beleuchtung von Haus und Hof.

Die Picklmühle hatte ein Jahreskontigent von etwa 120 Tonnen, somit eine durchschnittliche Wochenkapazität von 2,3 Tonnen. Im Frühjahr 1939 wurde in Wittana eine Transformatorenstation eingerichtet, diese an das Überlandnetz angeschlossen und damit der Ort mit elektrischem Strom versorgt.

Der trockengelegte Picklweiher (früher Teinitzer Herrschaftsweiher) wurde von der Picklrnühle mit Radbusawasser gespeist, welches in Holzrohren dorthin geleitet wurde. Durch die Bodenreform nach dem ersten Weltkrieg wurde die Weiherfläche an Interessenten aus Wittana und Ferdinandsthal veräußert.

Im ersten Weltkrieg blieben 3, im zweiten 13 Mann.

Josef Bernklau nach Josef Pawlik