Waltersgrün

Etwa 6 km südwestlich von Ronsperg lag das waldumrauschte Dorf Waltersgrün, auch Waldersgrün bezeichnet in der Annahme, daß der Ortsname vom Grün des heimatlichen Böhmerwaldes stammen könnte, dessen Schauergebirgszug mit dem etwa 2 km entfernten 886 m hohen Schauerberg hier fast an der Haustür vorüberzog.

Eine auf dem Grund der Waltersgrüner Kirche ausgegrabene und in einem Granitstein eingegossene Metalltafel zerstört diese These der Namensgebung jedoch, denn ihre Latein-Inschrift lautet: "Monumentum Fr. Walther Grünes, Eremit et Funtator hoc loco Ao 1120."

Demnach war also der Frater Walther Grünes, ein Einsiedler und höchstwahrscheinlich ein Stockauer Klosterbruder, der Ortsgründer und zwar schon im Jahre 1120, während Dr. Ernst Richter den Ort erst für 1358 belegte. Damit wäre wohl auch die Annahme, daß Waltersgrün aus dem tschechischen Ortsnamen "Waltirschen" abstammen könnte, widerlegt.

Pfarrer Wierer nahm an, daß es vor dem Hussitenkrieg ein größerer Ort gewesen sein muß, weil es in älteren Beschreibungen als "oppidum" (befestigter Ort, Stadt) bezeichnet wurde. Es hatte jedenfalls schon sehr früh eine Pfarrkirche, welche schon 1358 genannt wurde, wobei Waltersgrün eine selbständige Pfarrei war und zum Dekanat Horsov = Horschau bei Bischofteinitz gehörte.

1789 zum Kammeradministrationsgut Stockau gehörig, wies Waltersgrün - so lautete der Name des Ortes in Schallers Topographie - bereits 37 Nummern auf und hatte eine St.-Leonhards-Kirche. Für 1839 wurde das eine Dreiviertelstunde südöstlich von Stockau liegende Dorf mit 45 Häusern und 334 Einwohnern bezeugt. Nach Schüttwa eingepfarrt, besaß es eine Kapelle, 1 Hegerswohnung, 1 Wirtshaus und die 1 km südsüdöstlich entfernte "Eselsmühle". 1913 war Waltersgrün auf 57 Häuser mit 375 Einwohnern angewachsen, 1939 hatte es 62 Häuser mit 344 Einwohnern (Glaserau war mit eingemeindet, hatte aber selbst 17 Häuser).

Das Flächenausmaß der Gemeinde ohne Glaserau betrug 1937 370,70 ha und verteilte sich auf 162,46 ha Äcker, 34,70 ha Wiesen, 18,33 ha Weiden, 136,44 ha Wald und 1,29 ha Gärten.

Für später gab Jakob Sokoll, einstiger Bürgermeister, das Waltersgrüner Flächenausrnaß jedoch mit insgesamt 606 ha an. Hier dürfte allerdings das 236 ha aufweisende Ausmaß von Glaserau mit beinhaltet sein.

Die Hausnummern 40, 41, 42 und 55 bildeten den zu Waltersgrün gehörenden Weiler EIisenthal. Nr. 40 war früher eine Mühle und wurde dann ein staatliches Hegerhaus, Nr. 41 war ein Sägewerk, Nr. 42 war ein kleiner Bauer, Nr. 55 ein Bauernhof von 10 bis 12 ha.

Die frühere Schulexpositur zu Stockau wurde noch vor dem ersten Weltkrieg in eine selbständige einklassige Schule umgewandelt und zählte 1913 76 Kinder. Sehr verdient um die Waltersgrüner Schule, um deren Neubau 1929-1930, um die Freiwillige Feuerwehr (Anschaffung einer Zweitakt-Flader-Motorspritze) und in der Gemeinde machte sich Hauptlehrer Andreas Christof. Er fungierte auch als Feuerwehrhauptmann. Unter ihm kam es zum Kauf eines 42 ha großen Waldstückes für 150 000 Kronen (von Reichsgraf Hans Coudenhove-Kalergi von Ronspergheirn), schließlich wurde 1932 als Notstands- arbeit die Straße von Waltersgrün nach Nimvorgut gebaut.

Im zweiten Weltkrieg fielen aus Waltersgrün 5 Heimatsöhne, 5 blieben vermißt, 4 verstarben in Gefangenschaft.

Vom Kreuz oberhalb des Dorfes genoß man eine großartige Aussicht über das Schauer- und Schwarzkoppenmassiv und weitere Teile des Böhrnerwaldes bis zum Arber, Osser, Rachel und Lusen, außerdem sah man weit böhmerlandeinwärts. Das Gemeindegebiet wurde im Nordosten vom Bründlberg, im Osten vom Stallaberg und im Südosten vom Gückersberg begrenzt.

Josef Bernklau nach Jakob Sokoll und Franz Spaderna