Tscharlowitz

Das östlich von Wassertrompeten im Wiesental des Horschinabaches gelegene Tscharlowitz (frühere Schreibweise auch Czarlowitz) wurde 1379 erstmals genannt. "Schlagäcker" und "Am Kladrauer" als Bezeichnungen der nördlichen Grenzflur und der Umstand, daß Tscharlowitz sein Kirchweihfest "Heilige Dreifaltigkeit" gemeinsam mit dem benachbarten Kirchsprengel Kapsch, Kreis Mies, feierte, lassen den begründeten Schluß zu, daß Schloßherrschaft und Benediktinerkloster Kladrau durch Landzuteilung und Ansiedlung als Gründer der Ortschaft anzusehen sind.

1587 wies Tscharlowitz laut Urbar der Herrschaft Bischofteinitz-Zetschowitz 6 Bauernhöfe auf, 1789 hatte es 16 Nummern, 1839 19 Nummern mit 120 "teutschen" Einwohnern, 1910 mit der "Grube Charlotte" 24 Häuser und 154 Einwohner. 1939, als die Enklave St. Barbara mit Hegerhaus, Schule und Kirche von Schekarschen abgetrennt und nach Tscharlowitz eingemeindet wurde, wies der Ort 26 Hausnummern mit 134 Einwohnern auf, während das Flächenausmaß nach dem Stand von 1937 auf ingesamt 392,97 ha lautete und sich auf 227,73 ha Äcker, 44,55 ha Wiesen, 27,82 ha Weiden, 80,02 ha Wald und 2,69 ha Gärten verteilt.

Neben 8 Vollbauernhöfen befanden sich weitere kleinere Landwirte bzw. Häusler im Ort, von denen letztere früher vom jeweiligen Bauern abhängig waren, jedoch dann ihren Neben- oder Hauptverdienst in den Herrschaftsverwaltungen, im Bergwerk oder in den Bauberufen fanden. Außer dem Wirtshaus waren auch 1 Kaufladen und 1 Tabaktrafik im Dorf. Der Hof des letzten Bürgermeisters Wenzel Feierfeil galt als Musterhof.

Der weite grüne Dorfplatz bildete ein stattliches, mit Bäumen herrlich umrahmtes großes Dreieck, auf dem sich auch die kleine Dorfkapelle befand, wo alljährlich im Mai die "Betstund" abgehalten wurde. Eingepfarrt war Tscharlowitz nach Mogolzen, früher dürfte es zur Pfarrei Kapsch gehört haben. Im ersten Weltkrieg verlor die Gemeinde 4, im zweiten 8 Heimatsöhne.

1 km südlich von Tscharlowitz befand sich auf einer Anhöhe die Grube Charlotte. Zur Gewerkschaft gehörten aber auch die Grube St. Barbara östlich des Trauttmansdorff'schen Forstes und die Grube Germania bei Stankau. Letztere brannte um 1900 ab und wurde nicht mehr in Betrieb genommen. An Bodenschätzen gab es Bleiglanz, Zinkblende (Galmei) und kleine Mengen Schwefelkies. Über den Ursprung des Bergwerkes fanden sich leider keine Aufzeichnungen. Im Bergbuch beim Kreisgericht in Pilsen waren Eintragungen erst seit 1850. Die Betriebe standen auch öfters still, meist wechselten dann die Besitzer. Im ersten Weltkrieg stand das Bergwerk unter militärischer Aufsicht. Der letzte Besitzer war die Bergwerksgesellschaft Georg von Giesches Erben in Breslau. Die Schachtanlagen wurden neu erbaut, der Betrieb modernisiert und elektrifiziert. Die Schächte wurden abgeteuft, Tscharlowitz auf 500 m, St. Barbara auf 300 m. Die Ausbeute blieb trotzdem gering. Die Firma berief nun Geophysiker aus Frankfurt am Main und ließ die ganze Umgebung auf Erzvorkommen untersuchen. Auf Grund des negativen Ergebnisses stellte die Bergwerksgesellschaft 1929 den Betrieb in Tscharlowitz und St. Barbara wegen Unrentabilität ein. Die Maschinen und Fördertürme wurden verkauft, die Schachtanlagen niedergerissen, die Haupt- und Luftschächte durch Betonplatten abgedeckt. Zurück blieben eine vielbeachtete Luxusvilla (die zuletzt der Generaldirektor der Pilsner Brauereien, Müller, preisgünstig erworben hatte), das ehemalige Büro- und Kantinengebäude und die mächtige Bergwerkshalde, auf der so manches Sonnwendfeuer den deutschen Charakter der Heimat verkündete.

Josef Bernklau unter Mitarbeit von Franz Stich, Wenzel Feierfeil, Peter Prokosch und Josef Hagenauer