Schwanenbrückl

Das 6 km westlich von Muttersdorf im anmutigen Tal der jungen Radbusa gelegene Schwanenbrückl, das seinen Ortsnamen wohl den Herren von Schwanberg verdankte und durch das der alte Handelsweg von Muttersdorf nach Schönsee in Bayern führte, ging gründungsmäßig auf eine Glashütte zurück.

Es gehörte ehedem besagten Herren von Schwanberg, die als Pfandinhaber des Gutes Pfraumberg auf der hölzernen Brücke als Grenze ihres Gebietes ihr Wappen mit dem Schwan angebracht hatten. Kaiser Rudolf II. verkaufte es 1596 an den einer Glaserfarnilie aus Nordböhmen entstammenden Hüttenmeister Paul Schürer, der hier eine Glashütte errichtete.

1609 ging diese neue Glashütte, im Volksmund "Neue Hütte" genannt zum Unterschied der wohl bereits früher bestehenden alten Glashütte "Althütten", mit allen Gebäuden und Grundstücken durch Kauf an die Herren von Wiedersperg auf Muttersdorf über, was zur Folge hatte, daß Schwanenbrückl zum Sitz eines eigenen Gutes wurde, dem auch die Dörfer Pfaffenberg, Großgorschin, Kleingorschin, Putzbühl, Althütten, Johanneshütte, Friedrichshof, Schnaggenmühle, Franzbrunnhütte, Schwarzach, Oberhütten und Unterhütten nebst dem Ort selbst angehörten.

1789 berichtete Schaller, daß das damals als Neu-Schwanenbrückl bezeichnete Dorf 30 Nummern mit 2 Glashütten aufweist. 1839 hatte Schwanenbrückl, dessen Glashütte nun bereits eingegangen war, 25 Häuser und 195 Einwohner, 1 Branntweinbrennerei, 1 Pottaschensiederei, 1 herrschaftliches Forsthaus, einen Meierhof und 1 altes Schlößchen, 2 Mühlen und 1 Brettsäge.

1913 zählt das als herrliche Sommerfrische geeignete Schwanenbrückl 36 Häuser und 205 Einwohner. 1945 wies der Ort 52 Häuser auf. Die Zahl der Einwohner der Gemeinde Schwanenbrückl, zu der auch Johanneshütte mit 8 Häusern und Althütten mit 60 Häusern und 450 Einwohnern gehörten, betrug 1939 711. Das Katastralausrnaß der Gemeinde bezifferte Hans Schlögl für das Jahr 1937 mit insgesamt 476,71 ha. Davon wären 68,65 ha Äcker, 69,85 ha Wiesen, 12,05 ha Weiden, 310,50 ha Wald und 3,45 ha Gärten.

Die Schule bestand seit 1787 und war zuletzt zweiklassig. Sie wurde 1886 erweitert. Nachdem das früher eingeschulte Neubäu eine eigene Schule erhalten hatte und nach dem ersten Weltkrieg in Althütten eine Expositur errichtet worden war, waren zuletzt noch Johanneshütte, Kleingorschin und die Weiler Platten und Engelhaus eingeschult. Eingepfarrt war Schwanenbrückl nach Muttersdorf.

Schwanenbrückl wäre wohl zu einer sehr beliebten Sornmerfrische ausersehen gewesen, wenn nicht der zweite Weltkrieg und seine Folgen das verhindert hätten.

Von den 33 im ersten Weltkrieg Eingerückten kehrten 4 Mann nicht mehr heim. Im zweiten Weltkrieg fielen 18 Schwanenbrückler.

Zu den geplanten Bauvorhaben, die der unglückliche Kriegsausgang verhinderte und für die bereits Vorbereitungen getroffen waren, gehörte u. a. auch der Bau eines Elektrizitätswerkes mit 7 Turbinen durch die Elektrizitätsgesellschaft Regensburg, das den ganzen Kreis mit Strom versorgen sollte.

Josef Bernklau unter Mitarbeit von Johann Richter