Schüttarschen (Hassatitz)
Zwischen Gänsberg und Greschin im Tal der Radbusa eingebettet lag der Weiler Hassatitz. Er gehörte zur Gemeinde Schüttarschen und bestand aus dem staatlichen Gestütshof (allgemein Meierhof genannt), einer Kunstmühle und dem etwa 700 Meter flußabwärts gelegenen, zum Gestüt gehörenden "Hammer".

Das Landschaftsbild um Hassatitz wurde bestimmt von bewaldeten Anhöhen und vom Lauf der Radbusa. Vor allem aber die gepflegten Weideflächen des Gestüts mit ihren so typischen Koppelzäunen und die weidenden Pferdeherden gaben der Landschaft ihr charakteristisches Gepräge.

Nur etwa 100 Meter flußabwärts von der Mühle überquerte die von Wiedlitz kommende Verbindungsstraße zwischen der Reichsstraße 92 und der Bezirksstraße Bischofteinitz - Eisendorf das Tal an seiner engsten Stelle. Auf einem (fast) hochwassersicheren Damm gelegt, führte sie über zwei Brücken: über die Radbusabrücke, die bis 1936 noch eine altersgraue Holzbrücke war, und nur wenige Meter weiter über eine Steinbrücke, die den Unterlauf des Mühlbachs überspannte. Auf dem Damm

zwischen den beiden Brücken stand zwischen zwei mächtigen alten Eichen die Statue des böhmischen Brückenheiligen Johann von Nepomuk. Im Jahre 1937 wurde die Holzbrücke durch eine moderne Betonbrücke mit größerer Spannweite und höherer Tragfähigkeit ersetzt. Im Zuge der Vorarbeiten zu diesem Projekt mußten die beiden Eichen gefällt werden, und der "Johannes" erhielt seinen neuen Standort unter einer hohen Ulme neben der Mühlbachbrücke.

Etwa 150 Meter seitab von der Straße stand einsam im Tal ein eingeschossiges Haus: der "Hassatitzer Hammer". Das Gebäude wurde vermutlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet und beherbergte über mehrere Jahre ein Hammerwerk, dessen schwerer Hammer und wahrscheinlich auch der zugehörige Blasebalg durch Wasserkraft angetrieben wurden. Das hier bearbeitete Eisen könnte von der bei Sirb gelegenen "Schmelz" (Ferdinandsthal) angeliefert worden sein.. Über den Zeitpunkt und über die Gründe der Stillegung wurde nichts berichtet. Um das Jahr 1890 herum war die maschinelle Ausrüstung schon abgebaut, und in dem Haus waren zwei Wohnungen für Meierhofarbeiter eingerichtet.

Erstmalig wurde Hassatitz im Jahre 1115 als Dorf in einer Gründungsurkunde des Klosters Kladrau ausgewiesen. In einem Steuerregister aus dem Jahre 1376 wurde die Herrschaft Muttersdorf als die größte im Pilsener Kreis bezeichnet und neben einigen anderen dazugehörigen Orten auch Hassatitz genannt. Dabei wurde auch erwähnt, daß in Hassatitz zwei Freibauern ansässig waren. Raczek (von Rosenberg?) erschien 1379 als Herr von Hostau, Muttersdorf und der Dörfer Ostrow, Gramatin, Horouschen und Hassatitz. Im Jahre 1412 setzte Raczek in Hostau den Priester Paul ein. Dieser schenkte der bei der Hostauer Kirche errichteten Kaplanstelle die Abgaben des halben Dorfes Schilligkau und der "Mühle unter Hassatitz". Etwa um 1510 - 1513 erhielt Johann von Rabstein die Burg, den Hof und die Stadt Hostau, ferner Gramatin, Schilligkau, Hassatitz ... . Als aber Heinrich Laurenz Guttenstein 1598 Hostau erbte, dazu 14 Dörfer (darunter auch Schüttarschen mit dem Patronatsrecht der Kirche), fand Hassatitz nur noch als zum Gut Zwirschen gehörender Meierhof Erwähnung.

Was mag in der Zwischenzeit passiert sein? Hatte - mehr als 70 Jahre nach den mörderischen Hussitenkriegen - Krieg oder Pestilenz den Ort entvölkert oder eine Feuersbrunst das mehr als 400 Jahre alte Dorf zerstört? Ein Chronist vermerkte später lakonisch: "Einige in den Kriegswirren verwüsteten Dörfer werden wieder aufgebaut, oder es werden Meierhöfe an ihrer Stelle angelegt (z.B. St. Georgen, Wellowitz, Hassatitz), während andere vollkommen vom Boden verschwunden sind."

Matthias von Trauttmansdorff erwarb 1656 das Gut Hostau mit den dazugehörenden Liegenschaften (somit auch Hassatitz) und vereinigte es mit der Herrschaft Bischofteinitz. In einer tabellarischen Darstellung der wirtschaftlichen Situation auf den elf herrschaftlichen Schäfereien war angegegeben, daß am 19. August 1763 in der Schäferei in Hassatitz 441 Mutterschafe, 225 Stück Galtvieh und 325 Lämmer gehalten wurden und der Schafineister 25 Strich an jährlichem Deputatkorn erhalten hat.

Aus späterer Zeit war bekannt, daß die Nutzung des Hassatitzer Meierhofes in Pacht vergeben wurde, so um die Mitte des 19. Jahrhunderts an einen Pächter namens Fleischner, von 1890 bis 1906 an Andreas Schmidt, den späteren Eigentümer der Hassatitzer Mühle, und danach an Max Abeles. Letzterer mußte im Jahre 1915 - bei Gewährung einer Ablösungsrente - die Pacht an den österreichischen Staat abtreten, der dann auf dem Hof ein Remontendepot und etwas später ein Gestüt einrichtete. Diese Einrichtung sollte dann - wenn auch unter zweimaligem Wechsel ihrer Obrigkeit - 30 Jahre Bestand haben.

Nach Ernst Schmidt