Oberhütten

Eine idyllische Insel am Westhang eines Nebenzuges des Böhmerwald auf 610 m ü.M. war Oberhütten, 12 km von Muttersdorf und 1 km von der bayerischen Grenze entfernt, wie zahlreiche Böhmerwaldorte aus einer Glashütte entstanden. Im Jahre 1618 ließ Herr Fux von Walburg auf Schneeberg dem Hüttenmeister Sebastian Reger eine Glashütte erbauen, die vermutlich nahe beim spätern Ort Oberhütten stand.

Vielfältig waren die vorangegangenen Ortsnamen Oberhüttens. So heißt es u. a. in alten Matriken: Am 26. März 1651 hatte Kilian Wölfl aus "Hiten Schwarza" eine Taufe, 1657 hieß es "Von der Pöheimbischen Hütte Schwarzach", 1665 zur "Hütte Schwarzach", 1672 "Hütte Schwarzach auf der Böhmischen Seite" (im Dorf Schwarzach aber hat nachweisbar nie eine Hütte gestanden!).

Die Entwicklung des Dorfes begann 1738, als die beiden Brüder Johann Friedrich und Christof Wenzl von Wiedersperg in Muttersdorf herrschten, die durch Abgabe von Baustellen und Ansiedlung von zinszahlenden Untertanen ihre Einnahmen vermehrten. Der Ort gehörte damals zum bayerischen Steinloh, das bis 1766 zu Böhmen gehörte.

1788 waren schon 14 Häusler hier. Die Robot dürfte wohl in den herrschaftlichen Wäldern oder auf dem Dianahof geleistet worden sein und für Bauern jährlich 48 Tage, für Häusler 24, für Tripfhäusler 12 und für Inwohner 4 Tage betragen haben. Der Pfarrer erhielt den Zehent. 1851 wurden alle Roboten und Zinsungen abgelöst (Bezirksgericht Ronsperg). Die Einwohnerzahl betrug 1785 93, 1839 wurden 200 Bewohner und 19 Häuser gezählt, 1910 36 Häuser mit 329 Einwohnern, wobei jedesmal auch Paadorf mit inbegriffen war.

1865 brannten 8 Häuser mit allen Nebengebäuden ab, 1907 wurden 10 Anwesen ein Raub der Flammen und 23 Familien obdachlos.

Noch in den 1860er Jahren trugen die Männer in Oberhütten gelblederne Hosen bis zu den Knien, Wadenstrümpfe und Schnallenschuhe, später ganzlederne Hosen und lange Mäntel. Wallfahrten ging man nur nach Bayern, nach Ast, Heiligenblut, Pleystein, Altötting, selten nach Maria Kulm.

Kirchlich gehörte der Ort zuerst nach Muttersdorf, dann nach Waier. Oft wurde aber die Kirche in Stadlern besucht. Eingeschult war Oberhütten nach Unterhütten.

Im ersten Weltkrieg waren 33 Mann eingerückt, von denen 5 fielen.

Josef Bernklau nach Johann Micko