Nimvorgut

Wer hätte es dem waldumrauschten 515 Hausnummern zählenden, etwa 3 km südlich von Stockau gelegenen Dörflein Nimvorgut mit seinem Imperativ-Ortsnamen angesehen, daß es auf gar bedeutendem historischen Boden steht? Wurden doch bei einer Grabung im Jahre 1961 am "Russenbrunnen" Erdwohnungen aus recht jungfräulichen Tagen unserer Heimat festgestellt und beim Öffnen eines Hügelgrabes ein Bronzering, eine Nadel, zwei Messer, ein Wetzstein sowie ein uralter Grabstein gefunden!

1789 nannte Schaller den zur Allodialherrschaft Kauth im Tauser Bezirk gehörigen Ort mit "Nimm für Gut", welcher 4 Nummern aufwies. 1839, als Nimvorgut, das der Volksmund "Ni(n)vagout" bezeichnete, 9 Häuser mit 117 deutschen Einwohnern zählte, waren die Gebrüder Graf Franz von Stadion-Thannhausen, k. k. Kämmerer und Hofsekretär der allgemeinen Hofkammer, und Graf Philipp von Stadion-Thannhausen, k. k. Hofsekretär bei der vereinigten Hofkanzlei in Wien, Besitzer der Allodial-Herrschaft Kauth und Chodenschloß.

Viele Bewohner des idyllischen Walddörfleins fanden Arbeit und Brot im nahen Wald, beim Spitzenklöppeln oder mußten zum Wanderstab greifen. Der Verdienst war freilich karg, und der langsam anlaufende Wintersport brachte noch wenig ein. Dennoch blieben die Wiegen nicht leer, und tapfer und allzeit volkstreu hielt der zähe, unverbildete und doch herzensoffene Menschenschlag durch, als es galt, die deutsche Volksschule zu erhalten. Mit größter Hochachtung sprach der als Junglehrer in Nimvorgut wirkende Oberlehrer i. R. Franz Stich von seinen einstigen Schulkindern und Mitbewohnern.

Schlagartig kreisbekannt wurde dieses mitten im nördlichen Böhmerwald liegende Dörflein, als sein Heimatsohn Michael Schröpfer nach dem Abschuß von 19 sowjetrussischen Panzern mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert wurde.

Josef Bernklau