Neudorf

Nur einige hundert Meter westlich vom Bischofteinitzer Neuen Viertel ließ die Herrschaft Trauttmansdorff im Jahre 1787 für ihre Arbeiter 17 Siedlungshäuser und 1 Gasthaus errichten. Jeder Siedler erhielt 6 Strich (1 Strich=28 Ar) Feld und 1/2 Strich Wiese. Um aber die Siedler noch fester an die Herrschaft zu binden, ging ihr Besitz später durch Ablösung in Eigentum über.

1839 berichtete Schaller, daß das "Dominical-Dorf Neudorf" 18 Häuser und 126 deutsche Einwohner zählte sowie ein obrigkeitliches Wirtshaus besaß. 1872 wurde die Meßkapelle von Wenzel Netopill erbaut. Das Gasthaus, welches wie ein kleines Schloß wirkte, wurde bis 1918 als solches verwendet, diente aber auch gleichzeitig als Kaserne für einen Zug der Dragoner vom Regiment Nr. 7 und 14. Letzteres führte den Namen "Die Bartlosen"

1913 wies Neudorf 25 Häuser und 118 Einwohner auf. 1918 überließ dann die Herrschaft Trauttmansdorff das schon sehr reparaturbedürftige Gebäude dem seraphischen Liebeswerk in Budweis. Dieses verwendete es als Heim für Waisenkinder. Nach dem Ausbau durch das seraphische Liebeswerk wurde es am 1. September 1918 feierlich eröffnet und seinem Zweck übergeben.

Nach der Heimkehr des Sudetenlandes am 1. Oktober 1938 wurde das seraphische Werk in Budweis mit allen Außenstellen aufgelöst. Als der Landrat des Kreises Bischofteinitz am 1. April 1940 das Waisenhaus, das fortan den Namen "Kreiskinderheim in Bischofteinitz-Neudorf" führte, übernahm, mußten die erbtüchtigen Kinder in andere Heirne oder Pflegestellen. Seit dem 30. Oktober 1939 diente das Heim einzig und allein der Bewahrung, Erziehung und Ausbildung von geistig zurückgebliebenen Kindern. Es waren aber vorübergehend auch geistig gesunde Kinder da. Am 5. Januar 1940 und am 4. Oktober 1941 brannte das neu erbaute langgestreckte Wirtschaftsgebäude nieder. In beiden Fällen konnte man nur das Vieh retten. Am 20. September 1945 wurden die letzten Kreuzschwestern, die im Heim tätig waren, entlassen. Der tschechische Caritasverband übernahm mit tschechischen Franziskanerinnen das Kinderheim. Viele deutsche Kinder kamen in die Heimatgemeinden zurück, andere blieben dort.

Josef Bernklau nach Sr. Oberin Immakulata Titz aus Dr. Hüttls Festschrift zum 600jährigen Stadtjubiläum der Kreisstadt Bischofteinitz