Mogolzen

10 km nordöstlich von Bischofteinitz scharte sich um die alte Maria-Himrnelfahrts-Kirche das stattliche Pfarrdorf Mogolzen, am Nordrand vom Kuckelbach durchflossen, welcher den Dorfweiher aufspeicherte, ehe er sich in den Horamühlweiher ergoß, um dann über Zetschowitz, Stich und Kwitschowitz die Radbusa zu erreichen.

Mit den Brüdern Dobrohost und Mutina von Bukovec, die Sedlaček für die Jahre 1174 bis 1185 als Burggrafen in Prag belegte und welche sich durch die Gründung von Hostau (Dobrohost) und Muttersdorf (Mutina) ins Buch der Geschichte eintrugen, fiel erstmals Licht auf Mogolzen, dessen Name zweifelsohne von dem an Buchen erinnernden tschechischen Wort Bukovec hergeleitet werden kann, das der deutsche Volksmund in Mogolzen umgeschliffen hat.

1289 wird ein Jaroslav von Mogolzen auch als Besitzer von Zetschowitz genannt. Dieser oder dessen Nachfolger verlegten wohl ihren Wohnsitz nach Zetschowitz und besaßen beide Orte, denn 1355 und 1358 wird ein Jaroslav von Zetschowitz als Kirchenpatron in beiden Dörfern erwähnt. 1364, als Mogolzen und Zetschowitz vereinigt waren, erschienen die Brüder Johann Buschek und Wilhelm von Wilhartitz als Besitzer, später Johann allein. Von ihm erbte seine Tochter Anna u. a. Burg, Kirche und Dorf Zetschowitz, ferner die Dörfer Mogolzen, Nemlowitz und Schekarschen. In dritter Ehe nach Nordostböhmen verschlagen, verpachtete sie diese Zetschowitzer Güter, die nun oft den Besitzer wechselten, an Heinrich von Rosenberg. 1513 kamen sie an Wolf von Ronsperg, dann an Johann von Gutstein. 1546 erwarb sie Johann der jüngere von Lobkowitz, der sie mit seiner Bischofteinitzer Herrschaft vereinigte.

1587 nannte uns das Urbar diese Herrschaft Bischofteinitz-Zetschowitz Mogolzen mit 13 Höfen. Die Mogolzer Bauern waren damals mit noch anderen verpflichtet, die herrschaftlichen Felder im Herbst und im Frühjahr zu bestellen und wurden auch zum Heumachen herangezogen. Die Hausnamen Wenda und Rziha (sprich Schiha) waren damals in geringfügiger Abweichung schon vorhanden.

1789 zählte der Ort 28 Nummern, 1839 29 Häuser mit 205 deutschen Einwohnern, 1903 38 Häuser mit 246 Bewohnern, 1939 56 Häuser mit 258 deutschen Einwohnern. Das Flächenausmaß der Gemeinde betrug 1937 584,07 ha und verteilte sich auf 346,90 ha Äcker, 34,59 ha Wiesen, 50,78 ha Weiden, 128,02 ha Wald und 2,47 ha Gärten.

Mogolzen war Sitz eines Kirchspiels, zu dem noch die Dörfer Dobrowa, Kleinmallowa, Zetschowitz, Schlewitz, Nemlowitz, Tscharlowitz, die Einschichte St. Barbara sowie das im Mieser Kreis gelegene Radelstein und die früher zumindest eine deutsche Minderheit aufweisenden, zuletzt tschechischen Orte Schekarschen und Stich gehörten, welche jedoch schon immer nach Stankau tendierten und nach dem Anschluß zum Protektorat fielen. Die inmitten des von stattlichen Linden und Kastanien besetzten Kirchberges anfragende, ursprünglich romanische Kirche Maria Himmelfahrt stammte aus der Zeit um 1200 (Turm und Schiff) und war eine alte Festungskirche (Ecclesia castellata). Sie wurde im 14. Jahr- hundert umgebaut und danach öfters renoviert. Im Presbyterium, das mit einem Querrippengewölbe versehen war, befand sich ein gotisches Sanktuarium und ein kleines Portal in die Sakristei. Im Schiff war ein reichprofiliertes gotisches Spitzportal. In den Fenstern des Presbyteriums waren einfachere gotische Maßwerke erhalten, im Schiff reichhaltigere jüngere Flämmchenmaßwerke. Auf dem Hauptaltar aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts befand sich eine gotische Statue der Madonna aus dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts.

Nach Emlers "Bernaregister des Pilsner Kreises 1879" wurde schon für die 1384 in den Errichtungsbüchern des Dekanates und Archidiakonates Horschov erwähnte Kirche im Jahre 1407 ein Pfarrer Prkosch (Prokosch?) aus Mogolzen erwähnt, der einen Prozeß mit dem Burggrafen von Plan führte. 1786 wurde in Mogolzen Pfarrer Johann Klein, als Personal-Kaplan Lorenz Girzik genannt. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche inwendig renoviert, 1855 von außen restauriert und noch vor dem ersten Weltkrieg mit neuer Malerei versehen. 1777 wurden die beiden großen Glocken vom Glockengießer Jakob Seitz aus Pilsen gegossen. Diese beiden Glocken wurden 1917 vom Turm geholt und eingeschmolzen. Der tschechische Pfarrer Josef Jatschka, der nach dem ersten Weltkrieg in einer Messe versucht hatte, nur tschechisch beten und singen zu lassen, was jedoch kläglich und für immer mißlang und ihm eine Protestkundgebung im Pfarrhof einbrachte, besorgte ein neues Geläut, das wahrscheinlich dem zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel. Der Friedhof befand sich früher rund um die Kirche, wurde dann nahe der späteren Ziegelei angelegt und schließlich als Zentralfriedhof für das gesamte Kirchspiel gegen Kleinmallowa, grundmäßig je zur Hälfte der Kirche und der Gemeinde gehörend.

Als Filialkirchen waren die St.-Nikolaus-Kirche zu Zetschowitz und die Kirche von St. Barbara dem Mogolzer Kirchspiel zugeteilt, während der jeweilige Pfarrer auch den Religionsunterricht in Mogolzen, Zetschowitz und St. Barbara erteilte.

Das Gebäude der zuletzt zweiklassigen, vorher dreiklassigen Volksschule wurde 1885 erbaut und hatte drei Klassenräume, zudem eine Lehrerwohnung, zwei weitere kleinere Lehrerzimmer und einen großen Obst- und Gemüsegarten. Zum Schulverband Mogolzen gehörten auch die Dörfer Kleinmallowa, Dobrowa, Schlewitz, Nemlowitz; früher auch Zetschowitz und Tscharlowitz. Mit Beginn des Schuljahres 1924 wurde der im Erdgeschoß untergebrachte eine Klassenraum der deutschen Volksschule weggenommen und die tschechische Minderheitsschule darin eröffnet, die zuvor im Pfarrhaus untergebracht gewesen war und ihre Schüler durch ins deutsche Gebiet versetzte Tschechen und von notleidenden Deutschen förmlich an den Haaren herbeizog, beim Anschluß jedoch von selbst platzte.

Als Sportplatz diente die "Kuhblöße". Nach dem Anschluß wurde der neue in der "Hora" angelegt, wo auch zahlreiche Sportwettkämpfe der Jugend stattfanden, die bis von Mirschikau usw. beschickt wurden, was immer ein Höhepunkt für Mogolzen war.

Der Spar- und Darlehenskassenverein Mogolzen und Umgebung wurde 1885 gegründet. Der langjährige Geschäftsführer Johann Routschka, der zugleich das Bischofteinitzer Lagerhaus führte und vor allem auch als Kommunalpolitiker im Bund der Landwirte die nationalen Interessen des bedrängten Deutschturns verteidigte, brachte ihn zu einer beachtlichen Blüte.

Die Freiwillige Feuerwehr Mogolzen wurde 1907 ins Leben gerufen. Sie feierte 1932 das 25jährige Bestehen, verbunden mit der Weihe der neuen Motorspritze, deren Patin Frau Marie Krippner war, Gattin von Oberlehrer Krippner. Die Feldmesse, an der sich zahlreiche auswärtige Wehren beteiligten, fand vor der Kirche statt.

Auch das Kriegerdenkmal wurde nach dem Anschluß errichtet, womit den 9 Gefallenen des ersten Weltkrieges eine würdige Gedenkstätte in unmittelbarer Nähe der Kirche geschaffen wurde. Der zweite Weltkrieg forderte insgesamt 24 Mogolzer.

Die Gastwirtschaft Dusik, in deren Saal zahlreiche Feste und Feiern stattfanden und den auch die Gaufilmstelle öfters mit Filmen beschickte, besaß außerdem noch ein Lebensmittelgeschäft, während der Gastwirtschaft Schübl, die ebenfalls einen Saal aufwies, wo man auch manches Fest feierte, noch eine Fleischerei angeschlossen war. Im Ort war ein Kolonialwarengeschäft, ferner waren 3 Schuhmacher, 2 Schneider, 2 Schmiede, deren Bevölkerung sich aus 9 Vollbauernhöfen mit über 25 ha Grund, 4 kleineren Höfen mit 10-15 ha, 15 Kleinlandwirten mit 5-10 ha und den übrigen Bewohnern mit unter 5 ha zusammensetzte. Die Männer der letztgenannten Gruppe waren meist als Maurer, Zimmerleute oder Bergleute tätig in den Bergwerken Tscharlowitz und St. Barbara, ehe diese erloschen, teils auch in Holleischen bzw. im Sächsischen, nur wenige auch in der zuletzt stillgelegten Ziegelhütte gegen St. Barbara.

Josef Bernklau unter Mitarbeit von Wenzel Selig