Liebeswar

Unweit der nach Haid führenden alten Reichsstraße 99 lag, flankiert vom 614 m hohen Lichon und vom fast ebenso hohen Gabelberg (600 in), am Slatinabach das Dörflein Liebeswar. Würde man dem Volksmund vollen Glauben schenken, wäre der Ortsname folgendermaßen entstanden:

„Der Besitzer des hiesigen Meierhofes war dereinst ein Raubritter. Er hatte eine bildsaubere Tochter, die sich in einen seiner Untertanen verliebt hatte. Der Vater aber billigte das Verhältnis nicht, und es gab ständig Krach, weil die Tochter nicht von dem Geliebten ließ. Eines Tages brannten die beiden durch. Der suchende Vater fand sie schließlich am ,Drieftrang' in einer großen hohlen Eiche und soll ausgerufen haben: ,Ihr seid ein Liebespaar!' Nach seinem Willen soll dann von dieser Zeit an der Ort ,Liebespaar' geheißen haben, woraus mit der Zeit ,Liebeswar' wurde.“

Die erste Erwähnung des Ortes erfolgte für das Jahr 1320. Liebscher sagte, daß auch ein gewisser Jeschek von Liebeswar den Protest der böhmischen und mährischen Herren unterzeichnete, welcher dem Konzil in Konstanz bezüglich der Verbannung des Johann Hus und der Gefangennahme des Hieronymus in Prag eingesendet wurde.

Laut Schaller gehörte der Ort Libeswa bzw. Libeswar im Jahre 1789 mit 22 Nummern und einem aus 3 öden Bauernhöfen errichteten Meierhof zum Allodialgut Woleschna oder Elsch. Später kam der Ort zum politischen Bezirk Bischofteinitz. Der Meierhof, früher vom Gut Wiedlitz mitbearbeitet, gehörte dann dem Fürsten Alois zu Löwenstein in Haid. Auf Grund der nach dem ersten Weltkrieg durchgeführten Bodenreform wurde der Hof dem Fürsten enteignet (1922), zunächst an 18 Pächter im Ort verpachtet, 1931 vom Fürsten sehr entgegenkommend an dieselben verkauft. Seine Größe beziffert Liebscher mit 57,35 ha.

1913 wies der Ort 27 Häuser und 156 Einwohner auf, 1939 waren es nur 119 Bewohner.

Die Gemeinde Liebeswar hatte ein Flächenausmaß beim Stand von 1937 mit insgesamt 329,15 ha, das sich auf 160,94 ha Äcker, 24,93 ha Wiesen, 26,26 ha Weiden, 100,21 ha Wald und etwa 4 ha Gärten verteilte.

In der wahrscheinlich im 18. Jahrhundert erbauten Kapelle hing eine Glocke mit der Jahreszahl 1730. Im ersten Weltkrieg blieben 8 Heimatsöhne.

Josef Bernklau unter Mitarbeit von Josef Tauber