Kleinsemlowitz

Kleinsemlowitz, etwa 1,5 km ostwärts von Ronsperg, etwa 400 m ü.M. gelegen, tauchte im Bernaregister erstmals 1379 auf und wurde wohl von den Lehensleuten des Klosters Stockau gegründet. Höchstwahrscheinlich war damals das bereits 1264 ausgewiesene Hochsemlowitz (bei Sommer auch Hohen-Semlowitz bzw. Groß-Semlowitz) weitaus bedeutender, so daß man den Ort an der Straße nach Bischofteinitz zum besseren Unterscheiden eben Kleinsemlowitz nannte.

1789 beim „Kammeradministrationsgut Stockau“, hatte es 29 Häuser, 1839 beim „Gut Stockau“ zählte es 33 Häuser mit 204 Bewohnern und besaß 1 Mühle und 1 Wirtshaus. 1903 war es auf 35 Häuser mit 220 Einwohnern angewachsen, und im Jahre 1946 waren es 51 Häuser mit 250 Bewohnern. Das Flächenausmaß der Gemeinde betrug 1937 insgesamt 455,75 ha und gliederte sich in 283,19 ha Äcker, 51,96 ha Wiesen, 25 ha Weiden, 69,76 ha Wald und 1,82 ha Gärten.

Durch die Piwonka (auch Stockauer- oder Hammerbach genannt) wurde das Dorf in zwei Hälften geteilt. Südlich waren als „Kleine Seite“ 5 Bauernhöfe und 9 Häuser, nördlich befand sich die „Große Seite“ mit 11 Bauernhöfen und 26 Kleinbauern- und Ausgedingehäusern. Die modern eingerichtete Kunstmühle wurde nach dem ersten Weltkrieg stillgelegt. Neben Feldspat- und Mineralmühlen befanden sich 2 Gasthäuser, 1 Kaufladen, 1 Gemeindeschmiede, 1 Tischler, 1 Schuster und 1 Tabaktrafik im Ort, der schulmäßig und postalisch nach Ronsperg orientiert war.

1490 wurde der Ort nach Metzling eingepfarrt, und feierte das Kirchenfest des hl. Michael bis zuletzt immer mit Metzling. Von 1655 bis 1784 gehörte er zum Kirchsprengel Schüttwa, wohin auch die Toten beerdigt wurden und wovon noch der „Totenweg“ kündete. 1784 wurde Kleinsemlowitz nach Ronsperg eingepfarrt, und es wurde das Fest Maria Himmelfahrt (15. August) auch mit den Ronspergern gefeiert. Seit dieser Zeit wurden die Verstorbenen auf dem dortigen alten und seit 1902 auf dem neuen Friedhof beigesetzt. Im Dorf befand sich auf der „Kleinen Seite“ eine Kapelle der Hl. Dreifaltigkeit, auf der „Großen Seite“ stand an der Straße ein hohes Kreuz mit der Inschrift: „Gestiftet zur Ehre Gottes von Nikolaus und Anna Ries i. j. 1760.“

Der Landwirtschaftliche Verein wurde 1896, der Viehzuchtverein 1898 gegründet, während der Bahnanschluß zur Strecke Ronsperg-Stankau 1900 erfolgte. 1904 kam es zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Die Wehr zählte 26 aktive Mitglieder, erhielt 1932 eine Motorspritze und 1934 ein neues Gerätehaus mit Schlauchtrockenturm. Zu Weihnachten 1924 brannte in Kleinsemlowitz zur Freude aller Einwohner erstmals das elektrische Licht.

1866 brach beim Auskochen von Butter im Haus Nr. 17 Feuer aus, welches, durch starken Wind begünstigt, die Bauernhöfe Nr. 17, 19 und 20 binnen einer Stunde einäscherte. Bauer Johann Kraus fand dabei den Tod. 1879 kam ein starker Wolkenbruch mit Hagelschlag, der großen Schaden anrichtete. Die Häuser am Piwonkabach mußten geräumt werden. Im Hause Nr. 7 stand das Wasser 1 m hoch, und der Sturm warf die große Pappel am Bachrand um. Am 1. August 1901 wurde wieder ein starker Wolkenbruch mit großem Schaden an den Feldfrüchten registriert. 1914 brannte das Wohnhaus Nr. 35 und 1934 die Scheune von Nr. 28 ab. 1920 wütete die Maul- und Klauenseuche derart im Ort, daß bei vielen Bauern das Vieh verendete und der Bestand erst in den nächsten Jahren wieder nachgezogen bzw. angekauft werden mußte.

Im ersten Weltkrieg blieben 10 Heimatsöhne, im zweiten waren es 11.

Nach Josef Bernklau unter Verwendung von Texten von Hans Schlögl und Andreas Maurer