Horschau

Während sich im Raume des knapp 2 km nordwestlich von Bischofteinitz liegenden Dörfleins Horschau ein vorgeschichtliches Begräbnisfeld von etwa 70 bronzezeitlichen Hügelgräbern befand, das die Horschauer Bauern als willkommenen Steinbruch angesehen und hier verhältnismäßig mühelos, die zum Häuserbau benötigten Steine entnahmen, bis die Stelle unter Naturschutz gestellt wurde, künden uns verläßliche Quellen (Karlmann Pöhnl, „Beiträge zur Geschichte der Stadt Bischofteinitz“), daß von den beiden Gauburgen unserer Gegend eine in Tuhost = Taus und die andere in Gorsov = Horschau stand.

Gestützt auf die weitere Tatsache, daß uns ein Kladrauer Klosterakt vorn Jahre 1184 Christophorus Tinensis = Christof von Tein als Archidiakon in Gorsow = Horschau nennt, erkennen wir, daß die Herrschaft der Prager Bischöfe irn Meierhof Horschau begann und daß das von ihnen unmittelbar nach der Bistumsgründung errichtete Archidiakonat Gorsov = Horschau hieß. Ja, und so unglaublich es anmuten mag, es stimmt, daß das kleine Dörfchen Horschau einst weitaus bedeutender als unsere Heimatkreisstadt Bischofteinitz war; heißt es doch in Frinds Kirchengeschichte sogar Tein bei Horschau, und die Horschauer Kirche rangierte an vierter Stelle im gleichen Archidiakonat, während die Teinitzer erst als letzte aufgezählt wurde.

Die gotische Pfarrkirche, 1384 als solche erwähnt und mit einem eigenen Pfarrer besetzt, wurde 1648 von den Schweden zerstört, jedoch wieder aufgebaut und samt den zu ihr gehörigen Orten der Stadtpfarre in Bischofteinitz inkorporiert.

Archidiakon Leopold Klima beschrieb die Allerheiligenkirche in Horschau wie folgt.

Sie wurde am 6.4.1745 vom Prager Suffraganbischof Zdenko Georg Chrepicky von Modlinskovic konsekriert. Nach der Zerstörung 1648 blieben doch noch einige Spuren der Gotik erhalten, wie die Fenster irn Presbyteriurn und die Wandrnalereien in der Sakristei. Diese Wandmalereien, welche Szenen aus dem Leben der hl. Barbara und anderer Märtyrer darstellen, sind ungemein wertvoll. Das Entzücken jedes Besuchers aber riefen die Altäre und die Kanzel hervor. Der Hochaltar kann als eine holzgeschnitzte Darstellung der Epistel und des Evangeliums der Allerheiligenmesse betrachtet werden. Da ist das Altarbild, wo sich um die heiligste Dreifaltigkeit die unübersehbare Schar der von Christus selig Gepriesenen gruppiert, rechts und links halten die prächtigen, holzgeschnitzten Engelfiguren St. Michael, Gabriel, Raphael und Schutzengel gleichsam Wacht. Über dem Altarbild sehen wir, ebenfalls als Holzskulptur, das in der Epistel erwähnte Bild aus der Geheimen Offenbarung den Thron mit dem Lamme und den vier geheimnisvollen lebenden Wesen; der ganze Altar scheint umflattert zu sein von Engeln und putzigen Engelchen in jeder Größe und von solch entzückender Schönheit, daß das Auge sich davon nicht losreißen kann. Was sind die modernen, fabrikmäßig hergestellten süßlichen Heiligenfiguren gegen eine einzige, so würdig und erhaben dastehende Figur der Horschauer Kirche?

Die nicht minder kunstvoll geschnitzten Seitenaltäre mit den Statuen der Gottesrnutter und der hl. Anna zeigen eine große Ahnlichkeit mit den Seitenaltären der St.-Anna-Kirche zu Bischofteinitz. Sehr passend ist auf dem Deckel der Kanzel die ernste Gestalt der „Stimme eines Rufenden in der Wüste“ angebracht. Um sich zu vergewissern, daß die Alten Geschmack mit Frömmigkeit zu verbinden verstanden, brauchte man nur in die alte Dorfkirche von Horschau zu gehen.

Gottesdienste wurden in dieser Kirche nur wenige abgehalten: der Bittgottesdienst am Markustag, am zweiten Bittag und selbstverständlich am Kirchenfest zu Allerheiligen, das auch viele auswärtige Besucher anlockte und zu welchem man in allen einstrnals zugepfarrten Ortschaflen schon tagelang vorher die üblichen „Schmierkuchen“ buk.

Für das Jahr 1587 wurden im Urbar der Bischofteinitzer Herrschaft 3 Höfe in Horschau bezeugt, wovon der Wohatkahof seinen Namen bis 1946 behielt. Die Einfriedung des 412 ha großen Horschauer Gartens, der sich von Horschau bis Pollschitz erstreckte und insbesondere durch die hier betriebene große Fasanerie geradezu Berühmtheit erlangte (Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich und König Eduard VII. von England weilten hier zur Jagd), erfolgte unter Graf Wilhelm Popel von Lobkowitz, der als Gespenst „Graf Popel“ zur Geisterstunde auf der Mauer des Horschauer Gartens sein Unwesen trieb und in der Sage fortlebt. In einem früheren Teich im Tiergarten von Horschau befand sich einst auch eine kleine Insel mit dem Jagdhaus "Annaburg“. Damit Teiche, Wiesen und Hutweiden stets bewässert werden konnten, wurde ein Kanal von der Radbusa in den Tiergarten gegraben. 1913 wies der Fürst Trauttmansdorff'sche Meierhof 411,633 ha auf, besaß ein fürstliches Forsthaus und eine Mustermeierei mit 150 prächtigen Simmentaler Rindern. Weit über die Kreisgrenze hinaus bekannt war diese Zuchtrasse, die alle zwei Jahre Originalstiere und auch weibliche Zuchttiere direkt aus der Schweiz bezog und bei den Großauktionen in Bischofteinitz hervorragende Preise erzielte.

Zählte Horschau 1789 15 Nummern, so ist es 1839 auf 20 Häuser mit 155 deutschen Einwohnern angewachsen und hatte 1913 25 Häuser mit 245 Bewohnern. Das Flächenausmaß der Gemeinde betrug 1937 447,65 ha. Davon waren 304,16 ha Felder, 82,23 ha Wiesen, 42, 87 ha Weiden und 3,40 ha Gärten. Die Einwohnerzahl ist 1939 auf 256 gestiegen.

Josef Bernklau