Groß-Gorschin

Am jenseitigen Abhang des Böhmerwaldnebenkammes liegt in einer Höhe von 560 m ü. d. Meere und einem kleinen Seitental der Radbusa Großgorschin. Von Muttersdorf 4 1/2 km und je kaum 2 km von Wasserau, Schwanenbrückl und Waier entfernt stehen die Häuser an beiden Seiten der nach Süden abfallenden Dorfstraße, die über den Damm des herrschaftlichen Weihers zu den daneben liegenden Häusern und nach Pfaffenberg zur Bezirksstraße führt.

Zur Gemeinde Groschgorschin gehören Kleingorschin, Pfaffenberg und Putzbühl, je 1/2 km entfernt.

In Großgorschin waren 14 Häuser, davon 13 mit Landwirtschaft, wobei die kleineren Besitzer auf Nebenarbeit angewiesen waren. Es gab zudem eine Schmiede und ein Gasthaus.

Die Gemeinde Großgorschin hatte ein Flächenmaß von 159,27 ha, davon waren 107,35 ha Äcker, 37,81 ha Wiesen, 14,64 ha Weiden, 53,13 ha Wald, 1,79 ha Gärten. Der Boden war Humus, der in höher gelegenen Grundstücken in Sand überging, in tiefer gelegenen Teilen wurde er lehmig. Feuchte Jahre brachten gute Erträge. Angebaut wurden meistens Roggen, Gerste, Hafer, Weizen, Rüben, Dorschen, Kraut, Rotklee für Futterzwecke und Samengewinnung. Zum eigenen Stroh wurde viel Waldstreu eingestreut.

1908 wurde der deutsche Böhmerwaldbund gegründet, dieser Verein schaffte auch Sämaschinen zum Ausleihen an. Um 1930 wurden aber eigene angeschafft. 1942 Gründung der Feuerwehr, 1944 kam die Elektrifizierung, zuvor war fast in jedem Bertrieb ein Benzinmotor. Der erste wurde 1921 in Nürnberg gekauft.

Die Lebensgrundlage brachte die Landwirtschaft. Vor allem wurden Tiere gemästet, manches Stück Vieh ging zum Verkauf über die Grenze nach Bayern. Die Winter waren streng, die Männer gingen zur Waldarbeit oder machten Küferarbeiten, die Frauen klöppelten Spitzen.

Die Schulkinder hatten im Winter durch hohe Schneewehen einen beschwerlichen Weg. Putzbühl und Großgorschin gingen nach Waier, die Kleingorschiner Kinder nach Schwanenbrückl zur Schule. Zur Kirche gehörten Gorschin nach Muttersdorf, da nach Waier näher war, wurde der Kirchgang dorthin vorgezogen und das Annafest wurde auch mit Waier gefeiert. Der Dechant und Monsignore Andreas Hauser, geh. 1879, stammte aus Großgorschin.

Das Gebiet der Gemeinde gehörte seit jeher zum königlichen Grenzwalde, da sich aber von Taus aus niemand um den entlegenen Wald kümmerte, nahm es die Herrschaft Muttersdorf in ihren Besitz. Die Gründung Gorschins liegt in tiefem Dunkel. Da Wasserau schon vor 1369 bestand, kann auch Gorschin schon bestanden haben. Die erste geschichtliche Erwähnung Gorschins erfolgte im Jahre 1644, bei der großen Dreiteilung des Gutes Muttersdorf.

Nach der in Prag aufliegenden Aufnahme der Besitzverhältnisse vom Jahre 1654 hatten die 6 Chaluppner in Großgorschin zusammen 44 Strich Felder, 20 Ochsen, 10 Kühe, 20 Kälber und 21 Schweine.

Nachdem der Ort von jeher zur Herrschaft Muttersdorf gehörte hatte und sie Robot im Meierhof Wasserau ableisteten, kam es bei der Gutsteilung zum Gute Schwanenbrückl unter dem Besitzer Johann Georg von Wiedersperg. Nach 16 Jahren (1660) verkaufte dieser sein Gut an seinen Bruder in Muttersdorf. Aus dem Jahre 1673 gibt es ein Verzeichnis über den Zehent, daraus sind wieder die Namen der Besitzer ersichtlich. Es lagen zu dieser Zeit vier Bauernwirtschaften öde da, was wohl als Folge des 30jährigen Krieges anzusehen ist. Von jedem Besitzer erhielt auch der Pfarrer 2 Sturz Hafer und 12 Kreuzer. Dem Lehrer, in Muttersdorf, der zugleich Mesner war, hatte jeder Besitzer für das Wetterläuten eine Garbe Korn und Hafer zu geben. Seit jeher hatte Großgorschin einen Richter, schon damals gehörten die 3 anderen Dörfer dazu. In den Jahren 1786 bis 1812 war hier eine Station des Militär-Grenz-Kordons. 1850 erfolgte die Ablösung der herrschaftlichen Roboten und Zinsen, auch der Zehent zur Pfarrei wurde abgelöst. Von 1848 an entfiel das Ortsgericht in Muttersdorf und in Hostau wurde ein Bezirksgericht errichtet.

Ursprünglich gehörte Gorschin auch zur Schule nach Muttersdorf, seit 1789 nach Waier. Postamt war bis 1861 in Bischofteinitz, ab 1902 in Hostau, später Muttersdorf und zuletzt ab 1939 Waier.

Die Einwohnerzahlen waren: 1644-1722 50 Seelen, 1784-1851 70 Seelen, 1890-1900 80 Seelen, 1910 103 Seelen und 1921 97 Seelen.

Georg Wartha, H. Herzog