Bischofteinitz

Lagebeschreibung

Die freundliche frühere Kreisstadt Bischofteinitz lag im Westen Böhmens, unweit der Vorberge des Böhmerwaldes, am Mittellauf der malerischen Radbusa, welche nahe der bayerischen Grenze beim Orte Friedrichshof-Waier im Böhmerwald entspringt, ein wunderschönes Waldtal zwischen Schwanenbrückl und Schmolau in Süd-Nordrichtung durcheilte und bei letzterem Orte die niedrigen Böhmerwaldberge durchbrach und gezwungen war, die Ostrichtung einzuschlagen.

Sie berührte Weißensulz, Zwirschen, Schüttarschen, Taschlowitz, Pollschitz und Sirb und nahm kurz vor Bischofteinitz die vom Hirschstein kommende Piwonka auf, welche die Orte Münchsdorf, Ronsperg und Metzling durchlief.

Vor der Stadt stand die Thalo-Mühle, während die St. Anna-Mühle, in deren Nachbarschaft die alte Wallfahrtskirche St. Anna mit der fürstlichen Gruft auf einem Hügel thronte, von der Piwonka knapp vor ihrer Mündung in die Radbusa die Kraft erhielt.

Der Fluß verbreiterte sich im Weichbild der Stadt durch das Wehr der Stadtmühle und das Tal bot ein äußerst malerisches Bild.

Am linken Ufer schmiegte sich das Städtchen mit dem nördlich auf einem Felsen stehenden stolzen Schlosse der Fürsten Trauttmansdorff-Weinsberg, der Stadtkirche auf dem Ringplatze mit seinen eindrucksvollen Häuserfronten und ihren Barock- und Renaissance-Giebeln, dem Rathaus und dem Glockenturm mit der großen Glocke und dem herrlichen englischen Schloßpark mit Spiegelteich und Aussichtsturm und Baumgruppen mit bis 700jährigen Riesen am bewaldeten Hügel Hubeny gegen Kotzoura, Untermedelzen und Worowitz. Nach Westen reihte sich die kleine Vorstadt mit dem neuen Viertel an, welches beinahe Neudorf erreichte, nach Osten die nach dem Kapuzinerkloster mit seiner Kirche benannte Klostervorstadt, welche mit den neuen Häusern und Villen auf der Straße Richtung Semeschitz zustrebte. Beim Austritt aus dem Stadtgebiete erblickte man die Herrenmühle mit dem 1904/05 errichteten Elektrizitätswerke der Familie Träger.

Am rechten Flußufer lag die große Vorstadt mit der Erzdekanalkirche, den deutschen Schulen (Knaben- und Mädchen-Volks- und Bürgerschulen), dem Bahnhofe der Lokalbahn Bischofteinitz-Ronsperg, der bürgerlichen Dampfbrauerei und der landwirtschaftlichen Spiritusbrennerei.


St. Anna-Wallfahrtskirche

Etwa eine halbe Stunde westlich von Bischofteinitz führte eine Lindenallee zu einem Park auf einem mäßig hohen Hügel, von dessen Gipfel das Heiligtum weithin sichtbar grüßte. Die Entstehung der Wallfahrtskirche ist mit der Legende verknüpft, nach welcher der Teinitzer Bürger Krecka eine hölzerne Statue der hl. Mutter Anna auf seinem Feld ausackerte und nach Hause trug, von wo sie aber immer wieder zurückgekehrt sein soll. Das wurde als Fingerzeig gedeutet, daß die Heilige an diesem Ort verehrt sein wolle.

Zuerst erbauten einige Teinitzer Bürger eine hölzerne Kapelle. Archidiakon Nikolaus von Budweis (auch Tuchschmied genannt) aber ließ bereits 1507 eine steinere Kirche in spätgotischem Stile erbauen, die dann am 5. April 1516 von Peter Kraft, Suffraganbischof von Regensburg, geweiht wurde. Archidiakon Nikolaus errichte daselbst auch eine geistliche Bruderschaft zu Ehren der hl. Anna um eine guten Tod, die von Papst Alexander II. 1563 bestätigt und mit Ablässen ausgestattet wurde. Dieser Bruderschaft schloß sich allmählich fast der ganze Klerus, der Adel und das gläubige Volk von Westböhmen an. Als Erinnerung an die eingegangene Bruderschaft blieb nur das Gebet zur hl. Anna um einen guten Tod, das jeden Dienstag vom Priester nach der hl. Messe in der St. Anna-Kirche gebetet wurde.

Das Gnadenbild der St. Anna "selbdritt" befand sich in einem Glaskästchen über dem Drehtabernakel am Altar.

Was den Wallfahrern in St. Anna besonders interessant erschien, waren zwei südlich von der Kirche im Park errichtete Kapellen. Die eine Kapelle, welche Anklänge an den maurischen Stil zeigte, war der schmerzhaften Mutter geweiht, die als Pieta stets fromme Beter zu ihren Füßen sah.

Die zweite Kapelle wurde 1697 von der verwitweten Gräfin Anna Maria Trauttmansdorff, geb. Fürstin Liechtenstein angeblich ganz nach dem Muster der Grabeskirche von Jerusalem errichtet.

Es gab viele Anläße, nach St. Anna zu wallfahren. Das Hauptfest aber fand jeden Sonntag nach dem 26. Juli statt. Da gab sich der ganze Bezirk ein Stelldichein. Aus der Tauser Gegend kamen die tschechischen Wallfahrer mit ihren malerischen Choden-Trachten. Begleitet war dieses Fest von einem großen Jahrmarkttreiben, auf das sich die Kinder Jahr für Jahr freuten.

Erwähnenswert ist zudem, daß sich unter der Kirche die 1839 errichtete geräumige Gruft der Mitglieder der fürstl. Trauttmansdorffschen Familie befand, in der auch 3 Altäre standen.

An der Straße zur St. Anna-Kirche ließ die oben erwähnte Gräfin Anna Maria Trauttmansdorff im Jahre 1696 steinerne Bildsäulen errichten, welche Szenen aus dem Leiden Christi darstellten.


Bevölkerung

Die bodenständige Bevölkerung, ein freundlicher Menschenschlag mit stark bajuwarischem Einschlag sprach eine dem Egerländischen sehr ähnliche Mundart.

Die in den Zwanzigerjahren errichtete tschechische Schule hatte ihren Sitz im neuen Viertel.

Nach der Volkszählung von 1930 stieg die Anzahl der ursprünglich nur ganz wenig vorkommenden tschechischen Einwohner auf 390 bei insgesamt 3200 Bewohnern. 1938 lebten immer noch 28 Tschechen in der Stadt. Der allergrößte Teil der Einwohner war röm.-katholisch, das evangelische Bekenntnis war mit 20, die Israeliten mit ca. 54 Menschen vertreten.

Mehrere sehr alte Kirchen bezeugen es, daß die Stadt immer als Hort des katholischen Christentums galt und daß die Hussitenbewegung des 15. Jahrhunderts hier keinen merkbaren Einfluß auszuüben vermacht hat.

Die Stadt war Sitz der Bezirkshauptmannschaft (Landrat) für den Amtsbezirk Bischofteinitz, eines Bezirksgerichtes (Amtsgericht), eines Steueramtes (Finanzamt), einer Steuerbemessungsbehörde und des Bezirksschulamtes für die deutschen Bezirke Bischofteinitz und Taus.

Die meisten Bewohner der eigentlichen Stadt betrieben ein Gewerbe, bebauten ihren Garten oder waren Landwirte, während die Anwohner des rechten Ufers sich nahezu durchwegs der Landwirtschaft und der Rindviehzucht widmeten, wie fast alle Bewohner des etwa 35 000 Seelen zählenden Kreises Bischofteinitz.


Namensgebung

Im Laufe der Geschichte hatte Bischofteinitz verschiedene Namen. In jüngerer und jüngster Zeit war gewöhnlich Teinitz (Dialektaussprache: "Teinz") im Gebrauch. Die historischen Wurzeln des Namens liegen aber im Wort Horschau-Teinitz, der im tschechischen Horssov-Teyn, Horssowsky, Horschowsky Teyn oder Tyn Horschuv lautete, im lateinischen Tina Horssii oder Tynhorschovium. Das Wort Tein bzw. Tyn ist damit die älteste Bezeichnung für die Stadt. Die Bezeichnung Bischofteinitz ergab sich erst aus der langjährigen Zugehörigkeit zum Prager Erzbistum.


Entstehung

Bischofteinitz, historisch bis zum 10. Jahrhundert bekannt, war über 450 Jahre im Besitz des Prager Erzbistums, überging dann an Dobrohost von Ronsperg als Herrn von Teinitz, später unter Kaiser Ferdinand I. in das Eigentum des Johann Popel von Lobkowitz und im Jahre 1623 als Folge der Schlacht am Weißen Berg an Max Grafen von Trauttmansdorff, dem Stifter des Westfälischen Friedens, dessen Nachfahren Besitzer des Schlossees und umfangreicher Güter bis zur völkerrechtswidrigen Vertreibung aller Deutschen im Jahre 1945/46 war.

Im Jahre 973 gründete Herzog Boleslaus ein Bistum in Böhmen zu Prag und schenkte diesem mit anderen Gütern auch Bischofteinitz. Die Gründung des Ortes fällt aber bereits in das Jahr 717 und war ursprünglich tschechisch. Die erste Erwähnung des Ortes geschieht im Jahre 1186, wo ein gewisser Oschitka in Gorsow (dem Horschauer Meierhof) Verwalter der Prager Bischöfe, als Zeuge angeführt erscheint (Siehe "Der politische Amtsbezirk Bischofteinitz" von Karl Liebscher).

Obwohl die diesbezügliche Originalurkunde fehlt, steht aufgrund eines Urkundenbuches fest, daß durch Bemühungen des ersten Erzbischofs Ernst von Pardubitz Bischofteinitz von Kaiser Karl IV. im Jahre 1351 zur Stadt erhoben, und mit Wall, Graben und Stadttoren umgeben wurde. In die Zeit davor (1263) fällt auch der weitere Ausbau der bischöflichen Burg, die aus dem 1228 errichteten "Haus der Bischöfe" entstanden ist, 1279 die Gründung der Stadtkirche St. Peter und Paul, sowie die Gründung eines Kollegiatsstiftes im alten Tein auf dem rechten Radbusaufer, der späteren Erzdekanalkirche. Sie war Sitz und Zentrum des noch jungen Christentums in den Bezirken Teinitz, Taus und Tachau.

Während also lange vor der Gründung der Stadt bedingt durch regen Handel am Weg von Regensburg nach Prag rechts der Radbusa bereits wohl die ersten Behausungen entstanden, künden Geschichstsschreiber erst von der späteren Entstehung der Neustadt links der Radbusa auf der Anhöhe vor der Burg. Im Jahre 1357 erhielt Bischofteinitz, wie viel andere Städte in Böhmen auch, besondere Priviliegien. Diese wurden immer wieder bestätigt und auch erweitert. Kaiser Ferdinand III. vermehrte diese Vorrechte der Stadt dadurch, daß er der brauberechtigten Bürgerschaft den Ausschank und Absatz ihres Weizen- und Gerstenbieres sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadt bewilligte. Dieses Privileg spielte bis 1945 eine bedeutende wirtschaftliche Rolle.


Königliche Schutzstadt

Nach schweren Konflikten zwischen dem Erzbischof Wechta, welcher der hussitischen Lehre zugetan war und den katholischen Bürgern endete die Zeit, da Bischofteinitz eine Bischofsstadt war. Unter dem böhmischen König Sigismund, einem Sohn Kaiser Karl IV. wurde Bischofteinitz 1420 königliche Schutzstadt. Und dieser Schutz unter dem neuen Lehensherren Ritter Drschka sollte sich als segensreich erweisen. Während die unbefestigte Große Vorstadt einschließlich der damaligen, vermutlich prächtigen gotischen Kirche zum hl. Christophorus sowie der Kirchen zur hl. Kunegunde und der hl. Fabianus und Sebastianus und des Kollegiatstiftes nach der Belagerung durch die hussitischen Banden 1427 und 1431eingeäschert wurde, konnte die Stadt selbst erfolgreich verteidigt werden.

Daß das deutschfeindliche Gift schon damals in den tschechischen Adern geflossen sein muß, zeigen Berichte aus dieser Zeit. Die Deutschen wären auf der Flucht erschlagen, aus den Gebüschen, wo sie sich versteckt hätten, hervorgezogen und getötet worden. Palacky, der bedeutendste tschechische Historiker schrieb in seiner "Geschichte von Böhmen": "Es läßt sich nicht bestimmen, wie viele tausend Deutsche bei der Bischofteinitzer Kirche (um die herum der Friedhof lag) begraben liegen."

Erst 1767 wurde die zerstörte Kirche wieder vollendet und 1768 zu Ehren der Himmelfahrt Mariens, des Bischofs und Märtyrers Apollinaris und des hl. Christophorus geweiht.

Die Ära Lobkowitz

1539 erwarb Johann Popel von Lobkowitz die Herrschaft Teinitz unter der Bedingung, daß dieser Besitz, der einst Kirchengut war, stets bei einem katholischen Herrn und beim katholischen Glauben verbleibe.

1546 erhielt die Stadt von Kaiser Ferdinand I. ein Wappen, das Kaiser Ferdinand II. erneuerte und erweiterte. Aus diesem Grund kam die goldfarbene Chiffer "F II," auf die Brust des mit der Kaiserkrone bedeckten, und mit den Füßen die Türme der Stadt schützenden Adlers, der das Wappen von Bischofteinitz beherrscht.

Dem Wirken deutscher Missionare und deutscher Bischöfe, der Erhebung zur Stadt und die mehrfach bestätigten Privilegien, wie der des Zollerhebungsrechtes ist es zu verdanken, daß Bischofteinitz Jahrhunderte als stolze Stadt im Glanz und der Herrlichkeit deutscher Kaiser und böhmischer Könige und Fürsten erleben konnte.

Sie wurde aber auch von Plagen, Krieg, Not, Feuer und Überschwemmungen heimgesucht.

So wütete im Jahre 1547 am Mittwoch nach Ostern eine große Feuersbrunst. Die ganze Stadt, Kirche, Schloß und Vorstadt samt dem herrschaftlichen Meierhofe unter dem Schloß wurde ein Raub der Flammen und 26 Personen kamen ums Leben.

Mit großem Fleiß wurden Stadt und Schloß neu aufgebaut und das Schloß entstand in einer Pracht, wie es bis heute in den Grundzügen besteht. Das Gebiet der Burggrafen wurde durch Erbschaft und Verheiratung ständig vergrößert. Zum Schloß gehörten zu dieser Zeit (1587) das Hauptgebäude mit Lusthaus und Garten, 6 Meierhöfe, eine Mälzerei und eine Brauerei in Zetschowitz, zwei Hopfengärten und ein Weinberg. Die Erträge aus der Fischerei, den Wäldern und anderer Besitzungen müssen bedeutend gewesen sein.

Unter den Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges hatte die Bevölkerung unsäglich viel zu leiden. Greueltaten, Krankheiten, Plünderungen, Kontribution verlangende marodierende Truppen dezimierten die Einwohnerzahl erheblich.

Der Teinitzer Graf Wilhelm Popel von Lobkowitz, ursprünglich ein gütiger Herr und Beschützer der Stadt, entwickelte sich durch den Einfluß seiner Frau zu einem rücksichtslosen Patronatsherren, der keine Achtung vor den Kirchengesetzen hatte, und der Geistliche nach Gutdünken wie Dienstboten ein- und absetzte und den katholischen Stadtkaplan "schlagen und abbläuen" ließ. Er nahm an der Schlacht am Weißen Berg im königsfeindlichen Lager teil und wurde 1621 nach dem Sieg des Kaisers Ferdinands II, der zugleich König von Böhmen war, gefangen genommen und entkam dem Tode durch das Schwert nur der Fürsprache seines Onkels. Seine Güter indes wurden durch den königlichen Fiskus eingezogen.


Die Ära Trauttmansdorff

Die Herrschaft Teinitz erwarb daraufhin im Jahre 1622 Graf Maximilian von Trauttmansdorff, einem alten Adelsgeschlecht aus dem Ort Trautmansdorff bei Gleichenberg in der Ost-Steiermark entstammend, das sich schon unter Kaiser Rudolf II. im Hofdienste befand. Unter der Herrschaft derer von Trauttmansdorff erholte sich die Stadt von den Kriegsfolgen erfreulicherweise bald.

1683 wurd das Armenhaus errichtet und 1693 fand auch der Umbau des ursprünglichen Gerichtsgebäudes in das Rathaus in seiner heutigen Form statt. Bei einem weiteren Umbau im Jahre 1781 kam in eine Nische im 2. Stock das steinerne Standbild der Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit, mit Waage und Schwert. Anläßlich der 27. Hauptversammlung des Deutschen Böhmerwaldbundes im Jahre 1911 wurde eine von dem Pilsner Bildhauer Ludwig Wildt geschaffene Marmor-Gedenktafel über dem Eingang angebracht. Sie enthielt folgende Worte:

"Wir wollen unsere Hütten, grau und alt,

an Fremde nicht vererben,

wir wollen im deutschen Böhmerwald,

deutsch leben und deutsch sterben!"

Wegen der guten Betreuung durch Kapuzinermönche auf einem Krankenlager in Wien faßte Graf Maximilian den Plan zur Gründung eines Kapuzinerklosters in Bischofteinitz. Am 22. April 1650 traf der Ordensvisitator des Kapuzinerordens in Bischofteinitz ein und nahm im Namen des Apostolischen Stuhles die Stiftung entgegen. Am 8. Juni 1650 starb Maximilian von Trauttmansdorff. Schlicht und einfach wurde Bau und Einrichtung der Kapuziner, ganz wie es ihr Vater, Franz von Assisi gewollt hatte. Und so wie dort in Assisi alle Jahre am 2. August Portiunkula, das kleine Kirchlein „Maria von den Engeln“ sich zu einem gewaltigen Heiligtum entfaltet, wurde auch die Bischofteinitzer Kapuzinerkirche das Ziel frommer Wallfahrer.

Festlich geschmückt erfreute sich Bischofteinitz an diesem Tag immer eines Festes des Friedens und der Anhänglichkeit des gläubigen Volkes aus Stadt und Land zu ihren Kapuzinern. Ihnen verdankt Bischofteinitz, daß es dem katholischen Glauben nie untreu geworden ist. Es ist dem Nazi-Pöbel vorbehalten geblieben, 1941 die Kapuzinermöche aus Bischofteinitz verjagt zu haben.

Ein zweites Großfeuer im Jahre 1708 äscherte die Hälfte der Stadt samt der Kleinen Vorstadt ein, der Dachstuhl der Kirche Petri et Pauli wurde von den Flammen ergriffen, stürzte ein und durchschlug das Kirchengewölbe. Auch das prächtige, von Johann dem Jüngeren Popel von Lobkowitz errichtete Mausoleum  ist damals vernichtet worden. Die Kirche wurde abermals wieder aufgebaut, diesmal als Pfarrkirche und 1773 durch den Prager Weihbischof eingeweiht. Bereits 1752 war die Stadtkirche mit der Horschauer und der Vorstadtkirche vereint worden, wobei die Vorstadtkirche als Sitz des Archidiakonats die führende Stelle einnahm.

Zu dieser Zeit bestand die Stadt aus 267 Häusern. Die Haupteinnehmequellen der Bürger waren die Landwirtschaft, das Brauwesen und das Handwerk. Es waren Weber, Spitzenklöppler, Garnbleicher, Büchsenmacher, Färber, Tuchmacher, Nagelschmiede, Posamentierer, Lohgerber und Wachszieher am Ort. Es gab weit über 150 Handwerksmeister und viele Handelsleute und Krämer ließen sich hier nieder. Drei Jahrmärkte im Jahr waren für die Bevölkerung jedesmal ein Volksfest, aber auch von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Stadt beherbergte Doktoren, Wundärzte, Hebammen und eine Apotheke. Die Gasthäuser waren weit und breit bekannte Einkehrhäuser.

Ein großes Ereignis war für die Bürger von Bischofteintz im Jahre 1770 der Besuch des Kaisers Josephs II. auf dem Schloß Trauttmansdorff. Ihm, dem Beschützer und Bauernbefreier zu Ehren wurde 1884 auf dem Ringplatz mit großen Feierlichkeiten ein Denkmal errichtet. Dieses Denkmal wurde 1918 von den Tschechen zerstört. Dabei war es gerade dieser Kaiser, der - stolz auf sein Deutschsein - während seiner Regentschaft schützend seine Hand über die Kultur und die Sprache der Tschechen gehalten hat, in einer Zeit, als diese tschechische Kultur aufgrund der Überlegenheit und Dominanz der deutschen Kultur vom Aussterben bedroht war. Ohne diesen Kaiser hätte man 1918 über Tschechen nur noch aus den Geschichtsbüchern erfahren können.

Im Jahre 1776 wurde eine Kaserne in der Großen Vorstadt, neben der Schule, mit Stallungen für die damals hier stationierte Abteilung des k.k. Kürassier-Regiments Nr.8 und später auch für andere Truppengattungen erbaut.1797 wurden die beiden Röhrenkasten am Ringplatz gebaut, eine für die Wasser- und Gesundheitsvorsorge wichtige Einrichtung.

Geboren wurde am 13. Februar 1781 in Bischofteinitz Johann Joseph Edler von Littrow, Direktor und Professor der Astronomie an der k.k. Universität in Wien.

Am 7. Juli 1784 wurde Franz Willibald Nußhard in Bischofteinitz geboren, Doktor der Medizin und Chirurgie, k.k. Rat und Professor der speziellen Pathologie an der Universität zu Prag.

1801 wurde Bischofteinitz abermals von einer Feuersbrunst heimgesucht, der neben dem Rathaus weitere 82 Häuser zum Opfer fielen. Auch während der napoleonischen Kriege hatte die Stadt viel unter Einquartierung, Truppendurchzügen und Besetzung zu leiden.

1827 wurden zum ersten Mal Nummernschildern an den Häusern angebracht und 1829 wurde das erste Postamt im ehemaligen Gasthof "Zur Post" eröffnet. 1836 wurde die Straße gegen Neudorf, und 1838 die gegen Horschau gebaut.

Im Jahre 1845 wurde Bischofteinitz vom Klattauer Kreis als Bezirk abgetrennt und erhielt eine eigene Bezirksverwaltung.

Durch die Abschaffung der Robot im Jahre 1849 konnte sich Bischofteinitz freier entfalten. Es fanden die ersten Wahlen der Landtagsabgeordneten statt. 1852 wurde das letzte alte Stadttor, dessen Fundamentsteine heute noch erkennbar sind, abgetragen, 1867 die Landwehrkaserne errichtet und die ersten jüdischen Familien wurden ansässig. Die Volkszählung 1879 ergab 2890 Bischofteinitzer Bürger. 1885 wurde der Ausbau der Schulen mit den gewerblichen und landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen fortgesetzt.

Durch die Förderung zahlreicher staatlicher und privater Organisationen und Privatpersonen konnte nach der Fertigstellung der Staatsbahn von Stankau über Blisowa nach Taus im Jahre 1861 im Mai 1899 mit dem Bau der Lokalbahn Stankau-Ronsperg, die durch Bischofteinitz hindurchführte, begonnen, und am 6. August 1900 dem Verkehr übergeben werden. Seitdem war der "Bockl", wie ihn der Volksmund nannte, aus dem Leben von Bischofteinitz nicht mehr wegzudenken.

Gründung der Vorschußkasse, Neubäu des Dampfbräuhauses, Kollektivgenossenschaften für Gewerbe und Handel, Vereinigungen für Gast- und Schankgewerbe, Gründung der Raiffeisenkasse, Eröffnung der Mädchen-Bürgerschule, Errichtung der ersten Pfarr- und Vereinsbücherei, Errichtung des Elektrizitätswerkes und Bau der Spiritusbrennerei markieren den wirtschaftlichen und sozialen Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert.

1913 wurde auf dem Galgenberg die Lourdes-Wallfahrtskirche errichtet und eingeweiht und 1925/26 die Erzdekanalkirche in ihrem bestmöglichen Urzustand wiederhergestellt.

1914 wurde die bisher hölzerne Brücke über die Radbusa durch eine Eisenkonstruktion ersetzt.


Die Weltkriege und ihre Ergebnisse

Beginn und Ende des Ersten Weltkrieges traf Bischofteinitz schwer. Viele Väter und Söhne mußten ihr Leben lassen. 1918 brachte Bischofteinitz den Einmarsch tschechischen Miltärs und damit 1919 die gewaltsame Eingliederung in einen Staat, den die deutsche Bevölkerung ablehnte, und der ihr in der Folge tschechische Willkür-Herrschaft, Verhaftungen, Schikane, schwere nationale und wirtschaftliche Bedrängung und systematische Tschechisierungsversuche brachte, die zwar durch die Tätigkeit nationaler Schutzvereine abgebremst werden konnten, aber erst mit dem erlösenden Anschluß an das Deutsche Reich 1938 ihr vorläufiges Ende fanden.

Die Stadt vergrößerte und verschönerte sich nach dem Ersten Weltkrieg wesentlich. Es entstanden Villenviertel, neue gewerbliche Betriebe und Banken, neue Gebäudereihen und die Errichtung eines Stadtparkes an der Radbusa. Noch während des Zweiten Weltkrieges wurde die große "Stadthalle" an der Stelle des abgetragenen alten Bräuhauses, in der auch das "Kino" untergebracht war, und eine modern eingerichtete Molkerei beim Bahnhof errichtet.

Die Befreiung vom tschechischen Joch wurde jedoch faktisch eingetauscht gegen die Diktatur der Nationalsozialisten. Ihr kirchenfeindlicher Geist brachte den Bischofteinitzer Katholiken und ihren Priestern schwerste Prüfungen, den Juden die Flucht ins Ausland, den nichtnationalsozialistischen Vereinen die Auflösung, den Kritikern am Nationalsozialismus Haft und Gefängnis und manchem auch den Tod ein. In diesen Jahren hat mancher Bischofteinitzer sicher in falsch verstandenem Fortschrittsglauben schwerste persönliche Schuld auf sich geladen und viele unschuldige Familien mußten diesen Irrtum während und erst recht am Ende des Zweiten Weltkrieges mit einem hohen Blutzoll bezahlen.

Den historischen Todesstoß für die Stadtgemeinschaft aber versetzte erst der - durch den für die Deutschen verloren gegangenen Krieg - ermunterte tschechische Pöbel. Angestachelt durch jahrelange antideutsche Hetze glaubte er nun, sich in einem unvorstellbaren, blutrünstigen und verbrecherischen Anfall von hussitischem Nationalismus rächen zu müssen und verjagte alle deutschen Bischofteinitzer Einwohner aus ihrer Heimatstadt und ihrem angestammten Eigentum.

Alfred Piwonka unter Verwendung von Texten folgender Autoren:

Anton Pauli "Bischofteinitz"

Josef Drachsler, Schulrat "Geographische Übersicht der Stadt und Kreis Bischofteinitz"

Hans Schlögl "Bischofteinitz - 600 Jahre Stadt" in der Festschrift zum 600-jährigen Stadtjubiläum der Kreisstadt Bischofteinitz im Jahre 1951

Monsig. Leopold Klima, Archidiakon a.D. "Bischofteinitz in der Geschichte seiner Kirchen" und "Die St. Anna-Wallfahrtskirche" ebd.

Dr. Josef Hüttl, Archidiakon, "Das Archidiakonat in Bischofteinitz"

Rudolf Hild "Kurzgeschichte von Bischofteinitz"

Ing. Willi Ubl "Feststadt Bischofteinitz", Festschrift Tag des Egerlandes, 1934

Josef Bernklau "Stadt und Herrschaft Bischofteinitz in der Ära Trauttmansdorff 1622-1945"

P. Wilhelm Tschida „Friede und Heil – 300 Jahre Kapuziner in unserer Heimatstadt“